Dienstag, 28. Oktober 2008

Doppelt und dreifach gemoppelt

Das, was man auf Deutsch mit doppelt gemoppelt bezeichnet, nennen Fachleute Tautologien oder Pleonasmen: "weißer Schimmel", "neu renoviert“, „runder Kreis“, „ursächlich verantwortlich“, „geplante Vorhaben“, „angepeilte Zielgruppe“.

Besonders beliebt ist: „wie beispielsweise“. Dabei bedeutet „wie“ nichts anderes als „beispielsweise“. Man findet sogar dreifache Moppelungen: „wie (1) beispielsweise (2) … und … und Ähnliche (3)“ An der zweiten Stelle findet man auch „zum Beispiel“ oder „etwa“ an der dritten „oder Ähnliches“, „usw.“ oder „etc.“.

Auch das HIV-Virus und die PIN-Nummer gehören in diese Gruppe. Wobei diese inzwischen so üblich sind, dass „die PI-Nummer“ und das „HI-Virus“, wenn auch korrekt, viele verwirren. Hier kommt es darauf an, für welche Leser der Text gedacht ist, für Laien oder für Fachleute zum Beispiel.

Bei allen anderen Formen von doppelten und dreifachen "Moppelungen" heißt es: streichen, streichen, streichen.

Die Delete/Entfernen-Tasten ist ihr Freund. Vernachlässigen Sie sie nicht.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Rechtschreibfehler, die Sie am besten vermeiden sollten

Die Rechtschreibreform hat viele Menschen verwirrt. Besonders schwierig ist nach wie vor die Groß- und Kleinschreibung. Ich befürworte die radikale Kleinschreibung. Aber das ist ein anderes Thema.

Manche Menschen schreiben Wörter - anscheinend in einem panischen, vorauseilenden Gehorsam - groß, bei denen das beim besten Willen nicht angebracht ist. Zwei Situationen fallen mir immer wieder auf:

1. Ja, die Sache mit der Anrede in Briefen ist verwirrend. "Du" darf man groß oder klein schreiben, "Sie" und das zugehörige "Ihr" soll groß bleiben.

Manche Menschen überfordert das, so dass Siesie plötzlich bei Texten, in denen niemand angesprochen wird, die Umschalttaste drücken.

Ein Beispiel:
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nehmen aus Ihrer Sicht jedoch weniger häufig Versprechen bezüglich Karrieremöglichkeiten wahr, was zu einem erlebten Ungleichgewicht führt. So entsteht der Eindruck, dass Sie mehr in die Arbeit investieren, als sie zurückbekommen.

Möglicherweise empfinden sie (oder Sie) ein fälschlicherweise klein geschriebenes Wort als peinlich. Das würde auch ein zweites Phänomen erklären:

2. Den groß geschriebenen Superlativ. Sie erinnern sich? Groß, größer, am größten. Gut, besser, am besten. Am größten, am besten, am dümmsten - das sind die Superlative der jeweiligen Adjektive und wie die Grundform schreibt man sie schon seit Ewigkeiten klein.

Trotzdem sehe ich in letzter Zeit häufig Formulierungen wie "Am Schlimmsten wäre es, wenn..." oder "Wir treffen uns am Besten...". Vielleicht denken die Schreiber an das Schlimmste oder das Beste.

Tipp:
Im Zweifelsfall kann es helfen, sich zu überlegen, ob man das "am" zu einem "an dem" auseinander ziehen kann.
Beispiel: Es mangelte am Nötigsten. Es mangelte an dem Nötigsten.
Am einfachsten wäre es... An dem Einfachsten wäre es...

Lassen Sie sich nicht verwirren.

Mehr zum Thema Rechtschreibung:

Ich benutze seit jeher den Duden, andere schwören auf den Wahrig.


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Montag, 20. Oktober 2008

Handy oder E-Book-Reader?

Taugt das Super-Medium Handy auch für Bücher? fragt Peter Schwierz im Blog update2.de. Und gibt mit einer Vision aus der S-Bahn im Jahr 2011 gleich selbst eine mögliche Antwort:
...wenige, meist ältere Mitfahrer verstecken ihr Gesicht hinter Buchdeckeln. Mehr Fahrgäste, vor allem Jüngere, blättern sich per Fingerwisch auf dem Handy durch die Morgenlektüre. Mobile eBooks haben sich durchgesetzt, die klobigen Lesegeräte "Kindle" und "Reader" von Amazon und Sony liegen wie Blei in den Regalen.
Wird es tatsächlich so kommen? Das weiß keiner. Aber an der Digitalisierung von Büchern führt mittelfristig kein Weg vorbei. Behaupte ich. Mehr über die Vorteile, die Handys als Lesegeräte bieten, steht in Peter Schwierzs Blogpost.

Einige meiner Sachtexte und Geschichten gibt es als Mobilebook™ beim Verlag Blackbetty fürs Handy. Das Buch zu meinem Workshop "Gut und verständlich schreiben" wird ein klassisches E-Book. Als Autorin habe ich also entschieden: Handy und E-Book.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Leere Kalorien: Füllwörter

Füllwörter sind wie leere Kalorien. (Sie wissen schon: Zucker, Weißmehl...) Sie machen Ihren Text dick und schwerfällig.

Wie in einem früheren Post versprochen widmet sich der heutige Beitrag diesem weit verbreiteten Problem.

Einige Beispiele:
Wissenschaftler warben erfolgreich Fördermittel ein.
Finden Sie in diesem Text ein Wort, das man problemlos streichen kann?
Edel sei der Mensch, unbedingt auch hilfreich, und auf alle Fälle gut.

Warum man diese Wörter streichen kann, muss ich nicht erklären, oder?

Zu den Füllwörtern gehören:
ja, wohl, doch, an sich, nun, hinlänglich, zweifellos, zweifelsfrei, wirklich, durchaus, sicher, bestimmt, allesamt, völlig, voll und ganz, ziemlich, regelrecht, sozusagen und viele mehr.

Eine Untergruppe bilden vage Begriffe (auf Englisch weasel words), die andeuten, dass sich der Schreiber nicht festlegen will, etwa grundsätzlich, gewöhnlich, meist.

Wörter wie auch und außerdem, denn und nämlich, jedoch und aber verdeutlichen einen Zusammenhang. Oft sind sie jedoch überflüssig.

Schließlich kann man, wenn man ehrlich ist, in vielen Fällen auf Bekräftigungen wie sehr, besonders oder überaus durchaus verzichten.

Weitere überflüssige Wörter lernen Sie demnächst in dem Post "Doppelt und dreifach gemoppelt" kennen.

Bis dahin immer dran denken: Die Delete/Entfernen-Taste ist Ihr Freund.


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Dienstag, 14. Oktober 2008

E-Books: Ideal für Anthologien

Eine interessante Entwicklung beschreibt der Artikel Campaign Articles From Newsweek Become E-Books for Amazon Kindle in der New York Times: E-Books bieten ein einfache Möglichkeit, aus bereits vorhandenen Zeitschriftenartikeln "Themenbücher" zu machen. Wie jetzt geschehen mit Material aus der Zeitschrift "Newsweek", aus dem "Porträts" der (Vize)Präsidentschaftskandidaten zusammengestellt wurden.

Hier der entscheidende Satz aus dem New York Times-Beitrag:
Turning this kind of collection into books is an old idea; what is new is to do it with such minimal production and distribution costs that even the most limited sales could be profitable.
So ist es. Weil keine Material-, Transport- und sonstigen Verteilungskosten entstehen, rechnen sich auch schon kleinere Verkaufsmengen. Die einizige Inverstition ist die Arbeitszeit, die erforderlich ist, um die Artikel zusammenzustellen, gegebenenfalls zu aktualisieren und evtl. mit einem "Editorial" und/oder verbindenden Texten zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Was dem Erfolg solcher Text-(Zweit)Verwertungsformen entgegenstehen könnte: der (noch recht hohe) Preis der E-Book-Lesegräte und die Frage, ob gut sie gut genug zu handhaben sind, um Büchern und Zeitschriften Konkurrenz machen zu können.

E-Books auf der Buchmesse

Eine weitere Pressemitteilung zur Frankfurter Buchmesse widmet sich den E-Books, denn "das Thema E-Books ist heiß". (S. a. mein Post vom 5.10.08.)

Für alle, die nach Frankfurt fahren: Am Ende der Pressemitteilung gibt es eine Aufstellung von Veranstaltungen rund um die elektronischen Bücher.

Nachtrag vom 16.10.: In der "Welt" meint Elmar Krekeler, der sich auf der Buchmesse umgesehen hat, "Ab Frühjahr lesen wir ganz eifrig das E-Book".

Sonntag, 12. Oktober 2008

Joseph Pulitzer hat gesagt...

"Schreibe kurz - und sie werden es lesen.
Schreibe klar - und sie werden es verstehen.
Schreibe bildhaft - und sie werden es im Gedächtnis behalten."

Freitag, 10. Oktober 2008

Die Normseite

Einige Leser haben sicher schon einmal den Begriff Normseite gehört. Vielleicht weil ein Lektor/eine Lektorin das Honorar nach bearbeiteten Normseiten berechnet. Oder Sie wollten einen Text bei einem Verlag einreichen, etwa bei einer Anthologie-Ausschreibung, und der gewünschte Textumfang war in Normseiten angegeben.

Eine ist Normseite definiert durch die Zahlen

30 x 60

sprich: 30 Zeilen à maximal 60 Anschläge, also maximal 1800 Zeichen pro Seite.

Statt das Rad noch einmal neu zu beschreiben, verlinke ich zu einigen Websites/Blogseiten, auf denen Sie genauer erfahren, was eine Normseite ausmacht und wie man sie einrichtet:

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Besser schreiben: Fass' dich kurz

Wer sich wichtig machen will, walzt seine Sätze und Texte aus. Der schreibt „zur Anzeige bringen“ statt „anzeigen“, „operativ eingreifen“ statt operieren.

Wer Wichtiges zu sagen hat, formuliert kurz und prägnant. Wer möchte, dass andere sich merken, was er zu sagen hat, der fasst sich kurz.

Denken Sie an Zitate.

„Ich kam, ich sah, ich siegte.“ (Caesar)

Oder Goethe. Einfache Wörter, kurze Sätze: „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.“ „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ „Das also ist des Pudels Kern.“

Das fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten.“

Oder das Grundgesetz:
(1.1) „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
(3.2) „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“
(5.1) „… Eine Zensur findet nicht statt.“

Und schließlich John F. Kennedy „Ich bin ein Berliner.“

Klare Sätze ohne Wenn und Aber.

Viele Zitate von Goethe, Schiller oder Shakespeare, an die wir uns gut erinnern, stammen aus ihren Theaterstücken, sind fürs Sprechen (und Hören) gedacht. Der Zuschauer muss sie auf Anhieb verstehen, er kann schließlich nicht zurückblättern. Papier ist geduldig(er). Aber diese Geduld sollten wir nicht überstrapazieren.

Streichen Sie Füllwörter. Ihnen werde ich noch einen eigenen Post widmen. Deshalb jetzt nur so viel: Goethe hat nicht geschrieben „Edel sei der Mensch, vielleicht auch hilfreich, auf alle Fälle aber gut.“ Hamlet sagt nicht „Sein oder vielleicht lieber doch nicht sein“. Bei Füllwörtern hilft nur: streichen, streichen, streichen.

Denken Sie dran: Die Delete/Entfernen-Taste ist Ihr Freund.

Montag, 6. Oktober 2008

Sonntag, 5. Oktober 2008

E-Books mit Zukunft

In einem Newsletter zur 60. Frankfurter Buchmesse heißt es:

E-Books auf dem Vormarsch

Fest steht: Das Angebot digitaler Produkte aus der Verlagsbranche wächst weiter. 361 Aussteller der Frankfurter Buchmesse 2008 führen E-Books in ihrem Sortiment. E-Books stellten 2007 etwa zwei Prozent der ausgestellten Produkte, dies dürfte sich ändern: Mit dem Hype um die neue Generation von Lesegeräten wie Kindle, iLiad und Sony E-Reader ist für 2009 jede Menge Bewegung im Markt zu erwarten, gerade im Bildungs- und Belletristikbereich.
Klingt vielversprechend. Vor allem, weil mein geplantes E-Book in den 'Bildungsbereich' fällt.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Besser schreiben: Die Streichung von -ung

Heute geht es um die Streichung von -ung zur Erreichung einer besseren Verständigung.

Dieser Satz ist ein Beispiel für eine besonders schlimme Form (Ausformung) des Nominalstils. Von Nominalstil spricht man, wenn sich in einem Text die Substantive häufen und ihre Zahl die der Verben deutlich übersteigt.

Zuerst hatte ich den vorhergehenden Gedanken so formuliert: Dieser Satz ist ein Beispiel für eine besonders schlimme Form (Ausformung) des Nominalstils, also der Anhäufung von Substantiven in einem Text.

Auch dieser Satz ist ein Beispiel für den Nominalstil, jedoch noch halbwegs lesbar. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze nämlich, wenn man an Verben die Nachsilbe ung anhängt und so aus ihnen Substantive macht. Dann entstehen schwer lesbare Gebilde, wie der erste Satz in diesem Post.

Diese Art zu schreiben erinnert Sie vielleicht an etwas; genau: an Beamtendeutsch. Sie ist ein Grund, warum man solche Texte mehrmals lesen muss, wenn man sie begreifen will.

Wie viel lesbarer wird der Beispielsatz vom Anfang, wenn ich schreibe: Streichen Sie, wann immer möglich die Nachsilbe ung, damit man Ihre Texte besser versteht.

Streichen Sie das ung bei Wörtern, die sich gut erkennbar von Verben ableiten und die keine Dinge bezeichnen, die man anfassen kann. Machen Sie also aus den Substantiven tatkräftige Verben (Tuwörter, Tätigkeitswörter). Aus Streichung streichen, aus Verständigung verstehen. Erreichung (das abstrakteste und schlimmste der drei) habe ich durch einen Nebensatz mit damit ersetzt, einen so genannten Finalsatz.

Ausnahmen sind zum Beispiel Zeitung, Kreuzung, Zeichnung. Kann man alle anfassen - auch die Kreuzung zur Not. Gelten lassen will ich auch kurze Begriffe wie Werbung, die sich nach unserem Empfinden zu selbstständigen Substantiven entwickelt haben.

Die Verständigung ist grenzwertig. Wenn sie die einzige ung-Formulierung weit und breit ist, richtet sie keinen Schaden an. Wenn sie aber im Rudel mit ihren Verwandten Ihren Text überfällt, sollten Sie etwas unternehmen.


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