Sonntag, 28. Dezember 2008

Buchtipp

Eine Menge von dem, was man über einen guten Schreibstil wissen muss, kann man aus schon etwas älteren Büchern von Wolf Schneider lernen. Und weil er selbst beherzigt, was er lehrt, macht das Lesen und Lernen Spaß, nicht Mühe.

Mein Favorit: "Deutsch für Profis", in diesem Jahr in einer neuen Auflage erschienen und randvoll mit nützlichen Schreibtipps



Weitere Buchempfehlungen gibt es im nächsten Jahr, nämlich am 7. und am 11. Januar, im Rahmen meiner "englischsprachigen Woche". Diese beginnt am 5.1. mit einem Post darüber, wie man E-Mails auf Englisch schreibt.

Montag, 22. Dezember 2008

Besser schreiben: Die Lesbarkeit messen

In der Kürze liegt nicht nur die Würze. Kurze Wörter, Sätze und Absätze sind auch lesbarer. Wenn man nicht in ein Extrem verfällt. Aber das ist ja klar.

Lassen Sie Microsoft Word einmal vor und nach dem Redigieren eines Texts eine Lesbarkeitsstatistik anfertigen. Das geht so: Unter Extras die Rechtschreib- und Grammatikprüfung anklicken und durchlaufen lassen. Das kostet etwas Zeit, aber mit Sicherheit finden Sie währenddessen einige Fehler, die Sie ohnehin korrigieren müssten. Am Ende der Prüfung blendet Word Informationen zur Lesbarkeit des Textes ein: Zeichen pro Wort, Wörter pro Satz, Sätze pro Absatz. Es misst also die Länge von Wörtern, Sätzen und Absätzen. Und, wie zu Anfang gesagt, solange es im Rahmen bleibt, gilt: Kurz ist besser.

Es gibt sogar eine Lesbarkeitsforschung, die im Laufe der Zeit verschiedene Formeln entwickelt hat, v. a. fürs Englische, aber auch für deutsche Texte. Wer sich dafür interessiert, sollte unter dem Stichwort "Lesbarkeit" im Internet zu suchen.

Eine Methode basiert auf der Flesch-Formel. Und auf der Website leichtlesbar kann man seine Texte selbst mittels dieser Formel analysieren lassen. Das Ergebnis für diesen Beitrag bis hierhin sieht so aus:

Ihr Text besteht aus 18 Sätzen mit 185 Wörtern, wovon 134 verschiedene. Sie haben total 303 Silben benutzt (Endsilben auf -e zählen nicht).

Das ergibt einen Flesch-Wert von 58.

Ein Text mit einem Flesch-Wert von 51 bis 70 gilt als leicht lesbar.

Eine nette Spielerei, wenn man zum Beispiel am Computer sitzt und keine Lust hat zu arbeiten, sind die Text Stats von Amazon.com. Dieses Programm bestimmt die Lesbarkeit in Büchern, die der Verlag für „Search Inside!“ freigegeben hat. Meist also englischsprachige Werke. Berechnet werden unter anderem der Anteil der komplizierten Wörter, der Silben pro Wort, die Wörter pro Satz. Dafür geht man auf der Seite des jeweiligen Buchs zu "Inside This Book", "New", "Text Stats". Goethes Faust ist danach leicht lesbar, mit kurzen, einfachen Wörtern, aber etwas längeren Sätzen.

Nicht ganz ernst zu nehmen das Ganze, aber doch interessant.

Natürlich sollen Sie jetzt nicht hingehen und jeden Text zwanghaft analysieren. Aber ein Test hin und wieder kann die Augen öffnen und erzieherisch wirken.

Und wenn Ihnen mein Blog gefällt, lassen Sie sich neue Posts per E-Mail schicken oder abonnieren Sie es als RSS-Feed (in der rechten Spalte unter"NEUE POSTS PER E-MAIL" bzw. "SCHREIBHANDWERK ABONNIEREN") und/oder fügen Sie es zu Ihren social bookmarks hinzu. (Für einzelne Beiträge gibt es einen Button unter dem jeweiligen Post.)

Dienstag, 16. Dezember 2008

Fortsetzung: Ein deutsches Problem

Eine Eigenheit der deutschen Sprache, die Verständnisprobleme bereiten und den Lesefluss hemmen kann, besteht darin, dass das Prädikat - also das Verb, das erklärt, was jemand tut - ganz am Ende eines Satzes bzw. Nebensatzes steht. Wie das Wort 'steht' im vorherigen Satz.

In einem früheren Post habe ich bereits darüber geschrieben und eine Lösung angeboten.

Eine weitere Möglichkeit stelle ich heute vor. Häufig sind es lange Aufzählungen, die sich zwischen Subjekt und Prädikat oder zwischen die beiden Teile eines Prädikats drängen. Zum Beispiel hier:

Tiere wie Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Wellensittiche oder Fische erfreuen sich bei Kindern großer Beliebtheit.

Oder hier:

Das Inhalieren von Tabakrauch ist für 80-90 % der chronischen Atemwegs-, 80-85 % der Lungenkrebs- und 25-43 % der koronaren Herzerkrankungen verantwortlich.

Die Lösung: Man formuliert ein wenig um - hier durch Einfügen von 'eine Reihe von' - und lagert die Aufzählung aus.

Entweder in einen eigenen Satz, der z. B. mit 'dazu gehören' beginnt:

Eine Reihe von Tieren erfreuen sich bei Kindern großer Beliebtheit. Dazu gehören Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Wellensittiche oder Fische.

Oder man verlegt die Aufzählung ans Ende desselben Satzes, hinter ein Komma plus 'nämlich' wie hier oder einen Doppelpunkt:

Das Inhalieren von Tabakrauch ist für eine Reihe von Krankheiten verantwortlich, nämlich für 80-90 % der chronischen Atemwegserkrankungen, 80-85 % der Lungenkrebsfälle und 25-43 % der koronaren Herzleiden.

Wenn Ihnen mein Blog gefällt, können Sie es in der rechten Spalte abonnieren und zu Ihren social bookmarks hinzufügen! (Für einzelne Beiträge gibt es einen Button unter den jeweiligen Posts.)

Sonntag, 14. Dezember 2008

Überaus lebendig: die deutsche Sprache

Zum guten Schreiben gehört auch das Nachdenken über und das Spielen mit Sprache.

Zu beidem bietet die Ausstellung 'man spricht Deutsch' im Haus der Geschichte in Bonn vom 12. Dezember 2008 bis zum 1. März 2009 anscheinend reichlich Gelegenheit.

Und die deutsche Sprache erfreut sich entgegen anders lautenden Meldungen bester Gesundheit. Auf der Website zur Ausstellung heißt es:
Sprache verändert sich: Der Einfluss von Anglizismen auf die deutsche Sprache ist unüberhörbar. Stirbt die deutsche Sprache aus? Augenscheinlich nicht: Über 120 Millionen Menschen in aller Welt sprechen Deutsch, 17 Millionen lernen derzeit unsere Sprache, Deutsch ist innerhalb der Europäischen Union die am häufigsten gesprochene Muttersprache. Und sie entwickelt sich weiter: Laut Duden kommen jedes Jahr etwa 1.000 Worte dazu.




Für alle, die mehr wissen wollen, hier die Pressemitteilung im Wortlaut:
man spricht Deutsch
Haus der Geschichte zeigt neue Ausstellung ab 12. Dezember 2008

Die deutsche Band „Tokio Hotel“ hat 2008 nicht nur einen MTV-Europe-Award gewonnen, sie sorgt auch für einen „Run“ auf Deutschkurse in Frankreich und Japan. „Voll krass, ey =)“. „Gedisst“ fühlen sich allerdings 65 Prozent der Deutschen laut einer aktuellen Allensbach-Umfrage: Sie glauben, dass „die deutsche Sprache immer mehr verkommt“.
„Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland geht in einer Ausstellung über deutsche Gegenwartssprache den widersprüchlichen Meinungen über die Sprache Deutsch und ihren verschiedenen Funktionen nach: „Sprache trennt, Sprache verbindet, Sprache schafft Heimat und Identität“, erläutert der Präsident der Stiftung, Prof. Dr. Hans Walter Hütter.
Vom 12. Dezember 2008 bis 1. März 2009 laden in Bonn rund 500 Exponate zum Flanieren durch die deutsche Gegenwartssprache ein – vom Grimmschen Wörterbuch und einer Original-Ausgabe des „Werther“ bis zu kunstvoll im Unterricht verzierten Reclam-Heften, von der Jugendsprache bis zum SMSKurztext.
„Medieninstallationen und interaktive Elemente machen Lust auf Deutsch“, wirbt Ausstellungsdirektor Dr. Jürgen Reiche und nennt Beispiele: Die Schönheit von Sprache wird in einem Wald von Klangröhren hörbar. Am Literatur- Automat können Besucher Lyrik „ziehen“, ein Schreib-Roboter der freien Künstlergruppe „robotlab“ verfasst kurze Texte über Sprache, deren Wortfolge die Maschine aus einem Fundus von Begriffen eigenständig und nach einem Zufallsprogramm „generiert“. Szenen aus dem „Paten“ sind in Sächsisch und anderen deutschen Dialekten zu hören, Film- und Tondokumente lassen Werbe-, Politik- und Jugendsprache lebendig werden. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut wird „man spricht Deutsch“ als Wanderausstellung ab Mai 2009 in vielen Goethe-Instituten im In- und Ausland zu sehen sein.

Woher kommt die deutsche Sprache? Was zeichnet sie aus? Wie verändert sich die Bedeutung von Worten? Die Ausstellung „man spricht deutsch“ gibt Antworten auf diese Fragen. Sprache ist „das“ Kommunikationsmittel des Menschen. Sie ist zugleich Trägerin von Wissen und Kultur, darauf weist eine Bibliothek in der Ausstellung hin.

Sprache verändert sich: Der Einfluss von Anglizismen auf die deutsche Sprache ist unüberhörbar. Stirbt die deutsche Sprache aus? Augenscheinlich nicht: Über 120 Millionen Menschen in aller Welt sprechen Deutsch, 17 Millionen lernen derzeit unsere Sprache, Deutsch ist innerhalb der Europäischen Union die am häufigsten gesprochene Muttersprache. Und sie entwickelt sich weiter: Laut Duden kommen jedes Jahr etwa 1.000 Worte dazu.

„Was geht, Alter?“ - Sprache existiert nicht im luftleeren Raum: Daran erinnert ein „Kapitel“ über die „Jugendsprache“ und die Sprache junger Migranten, die sich als Teil verschiedener Jugendkulturen immer neu von der Erwachsenenwelt abgrenzt.

Sprache ist Klang - „Mein schönstes deutsches Wort ist Libelle, weil ich Wörter mit dem Buchstaben „l“ liebe und dieses Wort sogar drei davon hat…Das flutscht so auf der Zunge“. Mit dieser Begründung gewann der 9-jährige Sylwan Wiese den Kinderwettbewerb für das schönste deutsche Wort, den der deutsche Sprachrat und das Goethe-Institut 2004 ausgeschrieben hatten. Der Journalist Wolf Schneider lobt an der deutschen Sprache die zusammengesetzten Substantive, die das Unvereinbare vereinbaren wie „Hassliebe“, oder ein Kompositum wie „Zeitgeist“, das es sogar bis in die Weltsprache Englisch geschafft hat.

Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum, Berlin
Zum Thema deutsche Sprache haben die beiden großen historischen Museen der Bundesrepublik Deutschland zwei sich konzeptionell ergänzende Ausstellungen erarbeitet. Während sich „man spricht Deutsch“ auf Phänomene der deutschen Gegenwartssprache konzentriert, bietet das Deutsche Historische Museum in Berlin unter dem Titel „die Sprache Deutsch“ ab 15. Januar 2009 einen breiten Überblick über die Geschichte der deutschen Sprache seit ihren Anfängen.

man spricht Deutsch
Ausstellung: 12. Dezember 2008 bis 1. März 2009
Dienstag – Sonntag 9.00 – 19.00 Uhr, Eintritt frei
Zur Ausstellung erscheint eine Sonderausgabe des Museumsmagazins
Pressevorbesichtigung: 11.12.2008, 10.00 Uhr Pressekonferenz, 11.00 Uhr
Eröffnung: 11.12.2008, 19.30 Uhr


Freitag, 12. Dezember 2008

Sonntag, 7. Dezember 2008

Fortsetzung: Das leidige Passiv

Heute erfahren Sie, welche Möglichkeiten es noch gibt, das hölzerne und umständliche Passiv zu vermeiden. Im vorherigen Post habe ich Methode 1. und 2. beschrieben, nun folgt

3. Bilden Sie ein Konstrukt mit „sich“ (bei so genannten reflexiven Verben):

Nicht
Die Aufmerksamkeit der Zuschauer wurde auf die Bühnenmitte gerichtet.
sondern
Die Aufmerksamkeit der Zuschauer richtete sich auf die Bühnenmitte.

4. Entsprechend lassen sich Formulierung aus "können" plus Passiv umwandeln in Konstrukte mit "sich lassen".

Nicht
Ein Fortschreiten der Krankheit kann meist verhindert werden.
sondern
Ein Fortschreiten der Krankheit lässt sich meist verhindern.

5. Oder Sie wählen einfach ein anderes Verb.
Nicht
Das Ausmaß des Schadens wird durch die Größe der Hagelkörner bestimmt.
sondern
Das Ausmaß des Schadens hängt von der Größe der Hagelkörner ab.

Streichen Sie bei dieser Gelegenheit bitte gleich das Wort „seitens“ aus Ihrem Wortschatz. Es klingt nicht nur gestelzt. Gewöhnlich bringt es auch das Passiv mit sich.
Wie in
Der Mietvertrag wurde seitens des Vermieters gekündigt.
Seitens der Bank wurden Umbuchungen auf ein Zwischenkonto durchgeführt.
Es wurde seitens der Stadtverwaltung bekannt gegeben, dass…

Furchtbar. So wollen Sie nicht schreiben. Also machen Sie schnell aus Vermieter, Bank und Stadtverwaltung ein Subjekt, das kündigt, umbucht oder bekannt gibt.

Die Ausnahme (gibt es die nicht immer?), bei der das Passiv angebracht ist: Sie wollen den Leidenden und sein Schicksal in den Mittelpunkt stellen.
Etwa:
Als Kind wurde er oft geschlagen. Von seinen Eltern, den Geschwistern, dem Lehrer…
Sie verstehen, was ich meine.

Zum Schluss ein Tipp:
Durchsuchen Sie Ihren Text einmal mit der „Suchen“-Funktion von Word nach „w?rd“. So finden Sie Passiv-Konstrukte schnell und erkennen, ob sie überhand nehmen. (Dazu müssen Sie bei der „Suchen“-Funktion unter „Erweitern“ „Platzhalterzeichen verwenden“ aktivieren.) Diesen Tipp erhielt ich zu Beginn meiner Journalistenlaufbahn von einer Redakteurin der Süddeutschen Zeitung. Aber Sie müssen aufpassen. In seltenen Fällen handelt es sich bei einem „wird“ oder „werden“ ums Futur, die Zukunftsform eines Verbs, und nicht ums Passiv.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Besser schreiben: Das leidige Passiv

Verben ins Passiv zu setzen ist eine Unart, die sich leicht vermeiden lässt. Sie erinnern sich: Das Passiv bezeichnet man auch als die Leideform eines Verbs (Zeitworts). Z. B. "Der Ball wird geworfen". Ein unschöner Nebeneffekt ist, dass auch der Leser gequält wird. Denn die Passivform macht Ihre Sätze schwerfällig, bremst den Lesefluss – ganz besonders, wenn die Handelnden sogar erwähnt werden (mittels „von“ oder „durch“).

Beispiel: Das Problem kann von uns gelöst werden. Wie viel besser, weil tatkräftiger klingt: Wir können das Problem lösen.

Ich wette, Verben in der Passivform finden sich recht häufig in Ihren Texten. Und dann werden sie zum Problem. Denn sie klingen umständlich und hölzern und sind schwerer verständlich. Zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Passiv zu vermeiden. Es gibt immer eine Alternative - jedenfalls beim Schreiben.

Übrigens klingt die aktive Form eines Verbs nicht nur besser, die Sätze sind auch kürzer. Und in den meisten Fällen gilt - vom Wort über den Satz und den Absatz bis zum gesamten Text -: Kürzer ist besser.

Hier also die ersten zwei Möglichkeiten, die Passivform zu umgehen:

1. Wenn Sie ihn kennen, nennen Sie den Handelnden und machen Sie ihn zum Subjekt (wie in dem Beispiel zu Anfang).

Nicht
Das Angebot der Arbeitgeber wurde von der Gewerkschaft abgelehnt
.
sondern
Die Gewerkschaft lehnte das Angebot der Arbeitgeber ab
.

Gut zu wissen: Der Handelnde/das Subjekt muss keine Person sein.

Statt
Schiffer und Kahn werden am Ende von den Wellen verschlungen
.
schreiben Sie besser (wie Heinrich Heine)
Die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn.

2. Wenn Sie den Handelnden nicht kennen, können Sie ihn oft durch man ersetzen.

Nicht
Von dort können alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreicht werden
.
sondern
Von dort kann man alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen
.

Fortsetzung folgt... (im nächsten Post).

Wenn Ihnen mein Blog gefällt: in der rechten Spalte können Sie es abonnieren - natürlich kostenlos - und zu Ihren social bookmarks hinzufügen. (Für einzelne Beiträge gibt es einen Button unter den Posts.)

Montag, 1. Dezember 2008

Carolyn See hat gesagt...

“The passive voice is really good for only one thing: the weaselly notes in committee meetings where nobody wants to get blamed for whatever happened…”