Dienstag, 28. Dezember 2010

Haben Ihre Texte Bandwurmsätze?

Wenn Ihre Texte von Bandwurmsätzen geplagt werden, sollten Sie unbedingt etwas dagegen tun. Besonders anfällig sind nach meiner Erfahrung die Werke von Wissenschaftlern. Aber jeder gewissenhafte Autor sollte seine Manuskripte regelmäßig untersuchen.

Denn wie Bandwürmer den betroffenen Menschen Energie entziehen, so rauben lange, verschlungene Sätze Texten die Kraft. Zum Glück gibt es Gegenmittel und sie anzuwenden tut gar nicht weh.

Weil dieses Thema (leider) nie an Wichtigkeit verliert, finden Sie hier noch einmal zwei Posts, die ich vor einiger Zeit darüber geschrieben habe:

1. Ein Prachtexemplar von einem Bandwurmsatz

Neulich in einer Pressemitteilung:

Ziel der Konferenz ist es, aktuelle Entwicklungen der deutschen Gleichstellungspolitik in und für Wissenschafts- und Forschungsorganisationen zum Beispiel im Rahmen der Exzellenzinitiative, des Paktes für Forschung und Innovation, des Hochschulpaktes 2020, der Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Professorinnenprogramms von Bund und Ländern zu bilanzieren und innovative Handlungsempfehlungen zur Karriereförderung für Frauen im Arbeitsfeld Wissenschaft und Forschung, insbesondere im Wissenschaftsmanagement, zu geben.

Ich glaube nicht, dass es einen Menschen gibt, der diesen Satz in einem Anlauf lesen und verstehen kann. Vermutlich geben die meisten nach drei oder vier Zeilen auf.

Zugegeben der Satz enthält eine Menge lange Bezeichnungen, die sich wohl nicht vermeiden lassen. Gar nicht so einfach, ihn umzuformen.

1. Streichen wir erst einmal, was überflüssig ist:

Ziel der Konferenz ist es, aktuelle Entwicklungen der deutschen Gleichstellungspolitik in und für Wissenschaft(s-) und Forschung(sorganisationen) zum Beispiel im Rahmen der Exzellenzinitiative, des Paktes für Forschung und Innovation, des Hochschulpaktes 2020, der Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Professorinnenprogramms von Bund und Ländern zu bilanzieren und innovative HandlungsEmpfehlungen zur Karriereförderung für Frauen inm Arbeitsfeld Wissenschaft und Forschung, insbesondere im Wissenschaftsmanagement, zu geben.

Falls das sachlich richtig ist (was ich nicht beurteilen kann), sollte man auch die Organisationen in der dritten Zeile streichen.

2. Dann machen wir zwei Sätze aus dem einen und lagern die Aufzählung aus:

In Deutschland wird einiges zur Gleichstellung von Frauen in Wissenschaft(s-) und Forschung(sorganisationen?) unternommen: zum Beispiel im Rahmen der Exzellenzinitiative, des Paktes für Forschung und Innovation, des Hochschulpaktes 2020, der Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Professorinnenprogramms von Bund und Ländern. Ziel der Konferenz ist es, eine Bilanz zu ziehen und Empfehlungen zur Karriereförderung für Frauen in Wissenschaft und Forschung, insbesondere im Wissenschaftsmanagement, zu geben.

3. Schließlich wandeln wir noch ein Substantiv in ein Verb um (Förderung in fördern):

In Deutschland wird einiges zur Gleichstellung von Frauen in Wissenschaft und Forschung(sorganisationen?) unternommen: zum Beispiel im Rahmen der Exzellenzinitiative, des Paktes für Forschung und Innovation, des Hochschulpaktes 2020, der Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Professorinnenprogramms von Bund und Ländern. Ziel der Konferenz ist es, eine Bilanz zu ziehen und Empfehlungen zu geben, wie man die Karriere von Frauen in Wissenschaft und Forschung, und besonders im Wissenschaftsmanagement, fördern kann.
Das wäre mein Vorschlag zur Güte. - Ich hoffe, ich habe begriffen, worum es geht, und den Sinn der Aussage nicht verändert. War nicht ganz leicht zu verstehen, der Satz ;-)


2. Erträgliche und unerträgliche Bandwurmsätze

Dieser Beitrag ist als Ergänzung und Erklärung zu meinem früheren Beitrag gedacht, der sich dem Thema Bandwurmsätze widmete (s. o.)

Denn nicht alle langen Sätze sind gleich unverständlich und problematisch.

Sehen Sie selbst:

(Beispiel 1) Ein Autor, der, um Lesern Sachverhalte, die an sich so leicht zu verstehen sind, dass jeder sie begreifen kann, darzulegen, Gedanken in Gedanken schachtelt, verklausuliert die Botschaft so, dass kein Mensch sie sofort, ohne dass er mehrmals von vorn anfängt, erfassen kann. (42, 274)

(Beispiel 2) Es ist sinnvoll, dass Sie Ihre Texte so verfassen, wie ich es in diesem Blog empfehle, weil es das Leben der Leser leichter macht, die sich nicht gerne anstrengen, so dass die Chancen größer sind, dass das Beachtung findet, was Sie geschrieben haben. (43, 251)

Der erste Satz besteht aus 42 Wörten (bei 274 Zeichen inkl. Leerzeichen), der zweite aus 43 Wörtern (bei 251 Zeichen inkl. Leerzeichen). Die Länge ist also ähnlich.

Und doch ist der zweite Satz eindeutig leichter zu verstehen als der erste (obwohl er sogar einen Nebensatz mehr enthält). Warum? Er ist linear auf gebaut, eins folgt aus dem anderen. Beim ersten Satz ist dagegen Nebensatz in Nebensatz (und Hauptsatz) geschachtelt, so dass man schnell den Überblick verliert.

Fazit: Wenn lange Sätze, dann bitte keine verschachtelten. Am besten vermeidet man sie jedoch ganz. Denn der Satz in Beispiel 2 ist zwar verständlicher. Ihn zu lesen ist trotzdem kein Vergnügen.

***

Umfassender behandele ich diese und andere häufige Stil-Probleme in meinem Ratgeber und Workshop zum Selberlernen Gut und verständlich schreiben in zehn einfachen Schritten.


Noch nicht überzeugt? Das sagen Experten zu meinem Buch.

Montag, 27. Dezember 2010

Tweets zum Thema Schreiben (10)

Hier meine Tweets zum Thema Schreiben (und verwandten Themen wie E-Books) aus der vergangenen Woche:
RT @: Global e-book sales at Random House jump 250% on 2009: Random House's global sales are up...
RT @: Hallo @ (u.a.), ihr treibt eure Kundschaft in die Tauschbörsen
Gute Übersicht RT @: eBooks kaufen/laden: Quellen und Tipps
RT @: How E-Books Are Changing the Economics of Writing
"For an established mid-list author ..., I can't say that working with publishers really makes much financial sense..."
And: Book publishers see their role as gatekeepers shrink - latimes.com Writers are bypassing the route to bookstores.

A Newbie's Guide to Publishing: Resolutions for Writers 2011

Aus meiner Reihe "Keine Angst vorm Schreiben": 6. Drei Bücher, die Mut machen

in UK: National Short Story Day
Jede Menge Weihnachtskurzkrimis:

The rise of the ;-)

Heute vor zwei Jahren in meinem Blog: Die Lesbarkeit messen

Try, Try Again: Rejection Letters Received by Bestselling Authors am besten: der an Orwell

Sie kennen meinen noch nicht? Das sagen LeserInnen und ExpertInnen

The Book-Length Sentence - Essay - Sätze, d. s. über ein Kapitel o. ganzes Buch erstrecken. Kunst? Lesbar?

Dienstag, 21. Dezember 2010

Keine Angst vorm Schreiben: 6. Drei Bücher, die Mut machen

In meinen vorherigen Posts in dieser Reihe habe ich mehrere Methoden beschrieben, die ich hilfreich finde, wenn es darum geht, Schreibblockaden zu überwinden.

Heute möchte ich Ihnen drei Bücher empfehlen, die ich in diesem Zusammenhang nützlich und inspirierend finde. Hier jeweils die deutsche und die englische (Original-)Ausgabe:

1.







2.







3.





***

Weitere Posts zum Thema "Die Schreibangst überwinden"



Montag, 20. Dezember 2010

Tweets zum Thema Schreiben (9)

Hier meine Tweets zum Thema Schreiben (und verwandten Themen wie Leistungsschutzrecht und E-Books) aus der vergangenen Woche:
RT @: Gegen das : 5 Fragen an Till Kreutzer - ; wichtig, nicht nur für freie Journ.
RT @: Internet-Schlachten ums Leistungsschutzrecht:

on New Yorker Best Poetry Books 2010 list and how it was made
Meine Gedanken über :
... und hier, was andere AutorInnen über sagen:
RT @: Global e-book sales at Random House jump 250% on 2009: Random House's global sales are up...

Meta-Tweet: die besten -Tweets der Woche: (lt. @) und (lt. @)

Writers 'at greater risk of depression', survey finds

Hier geht's zu allen bisherigen Posts meiner Reihe "Die Schreibangst überwinden"

RT @: Formulierungen näher betrachtet, heute: "Crossmediales Storytelling ..."

Doctors make up the largest group of murderers in 's novels and short stories:

Meedia: Die besten Gratis-Ratgeber für Journalisten via @

Six Ways Twitter Can Make You A Better Writer: post on tweeting tiny parts of work in progress, i. e. ,

“Anyone who writes for a living and doesn’t admit to being very lucky is almost certainly insane” T. Kidder,

RT @: Writers get paid for what other people get scolded for: daydreaming. We’re supposed to wander. RICHARD WALTER

Meine Blogposts als kostenlose Themen: Grundlagen, Kurzgeschichten , Schreibangst überwinden ..

Ebenfalls lesenswert: "Time lost and found " von Anne Lamott über das und das Leben

RT @: Character first, plot second. Stole that from Joss Whedon. RT @ Top writing/storytelling rule u swear by?

RT @: There's a word for a writer who never gives up: published. JOE KONRATH

New Scientist: Flash fiction 2010: Futures that never happened -
And the winner of 's Flash fiction 2010, picked by Neil Gaiman, is: Atomic Dreams

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Donnerstag, 16. Dezember 2010

Tracy Kidder sagt ...

“Anyone who writes for a living and doesn’t admit to being very lucky is almost certainly insane.”

Und zwar sagt der Journalist und Autor dies im ersten Teil eines Interviews auf der empfehlenswerten nieman storyboard-Site.

Im zweiten Teil des Interviews beschreibt Kidder seine Arbeitsweise so:

"I make up a kind of outline, and then I just start writing. I try to write really fast, ... In part, I think it is sort of true that I write as fast as I can to prevent remorse for having written badly. ... What really matters is what comes out at the end. I love to rewrite. I think it’s one of the great gifts that is given to a writer, to be able to rewrite, to take back what you’ve written and write it better before anyone else has to see it, ..."

Dienstag, 14. Dezember 2010

Keine Angst vorm Schreiben: 5. An mehreren Projekten arbeiten

Wenn man mit einem Text nicht weiterkommt, wenn es einem nur bei dem Gedanken ans Schreiben schon graut, braucht man manchmal nur etwas Abwechslung.

Es ist also gut und richtig, immer mehrere Projekte in der Mache zu haben. Denn dann können Sie sich einem anderen Text zuwenden, wenn Sie sich ausgepowert fühlen. Oft hilft das schon. Und unter dem Strich sind Sie so vermutlich erheblich produktiver.

Eine Variante dieser Vorgehensweise lässt sich auf größere Werke wie einen Roman anwenden: In diesem Fall widmen Sie sich einfach einem anderen Aspekt der Aufgabe. Wenn Sie zu müde zum Schreiben sind, recherchieren Sie, denken Sie über Ihre Hauptfigur nach, redigieren Sie. Oder arbeiten Sie an etwas Speziellem wie der Beschreibung eines Ortes oder einer Person oder schreiben Sie, wenn Sie dazu Lust haben, einfach eine spätere Szene.

Als Journalistin habe ich es in dieser Beziehung leicht, denn ich arbeite nie an nur einem Artikel. Einen einzigen Auftrag zu akquirieren, den Artikel zu schreiben und erst dann etwas Neues zu beginnen, wäre unter finanziellen Gesichtspunkten tödlich. Ich arbeite folglich zu jeder Zeit an mehreren Texten, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden (Recherche, Gliederung, erste Fassung, Überarbeitung). Wenn Sie dann noch bedenken, dass ich an einem Roman sitze (einem Thriller, mehr als zur Hälfte fertig!) und offensichtlich Blogposts verfasse, sehen Sie, dass ich diese Methode konsequent anwende ;-)

Aber, und das ist ein großes und gewichtiges Aber, Sie müssen diszipliniert vorgehen und sich Texten, die sie beiseite gelegt haben, auch wieder zuwenden und sie irgendwann beenden. Diese Methode ist nicht zu verwechseln mit Prokrastination (auf deutsch: Aufschieberitis). Denn dann haben Sieam Ende tausend angefangene Texte, aber keinen einzigen fertigen. Kurz: Sie müssen sinnvolle Projekte auswählen und aufpassen, dass Sie sich nicht verzetteln.

Wer gleichzeitig an mehreren Texten arbeitet und außerdem nach dem Grundsatz verfährt, dass jedes Bisschen, das man schreibt, besser ist als nichts (s. mein Post Kleine Schritte), kann erstaunlich produktiv sein. Denn statt das Gehirn leer laufen zu lassen und Löcher in die Luft zu starren, wendet man sich einfach einer anderen Aufgabe zu und arbeitet eine Zeit lang daran. So schafft man es, peu à peu eine Menge Wörter und Texte in den PC und zu Papier zu bringen. Probieren Sie's aus.

Das meinen zwei Experten:

„So I did what I always do when I am stuck. ... I turned to something else, something like a palate cleanser, an “amuse bouche” in cooking terms. I turned to a different project, something smaller, that was broken into tinier pieces. A book of poems“, schreibt die überaus produktive Kinder- und Jugendbuchautorin Jane Yolen in ihrem Writer's Journal.

„Have more than one idea on the go at any one time. If it's a choice between writing a book and doing nothing I will always choose the latter. It's only if I have an idea for two books that I choose one rather than the other. I ­always have to feel that I'm bunking off from something”, sagt Geoff Dyer im Guardian.

***

Hier finden Sie weitere Posts zum Thema:

Die Schreibangst überwinden

Montag, 13. Dezember 2010

Tweets zum Thema Schreiben (8)

Hier meine Tweets zum Thema Schreiben der vergangenen Woche:
The Triumph of Avarice - Lawrence Block on his decision to republish backlist titles as

RT @: The best style is the style you don’t notice. SOMERSET MAUGHAM

RT @: More and more, I think of novel writing as a kind of deliberate dreaming. Jonathan Franzen

RT @ A writer takes earnest measures to secure his solitude and then finds endless ways to squander it.D. DE LILLO

Etwas Werbung in eigener Sache: Die Sprachberater der TU Chemnitz loben meinen

as : a work in progress

Jeder Text entsteht in zwei Schritten: und Überarbeiten. Mehr dazu hier:

RT @: The first how-to book for :

Eine Fundgrube für (angehende) Journalisten

Journalistenbarometer 2010: Berufsstand in der Krise? (pdf-Datei)

Romance Books Are Hot in the E-Reading Market -

An denken, Nützliches schenken. Z. B. meinen

RT @: It’s Get It Right Friday and I have nothing to atone for except one mislaid, comma. Oh, there it is!

RT @: Vintage rejection. "Your manuscript is returned for the reason checked below" funny & depressing ;-)

Novelist Charlaine Harris: "If it pleases you and you can write at all, it's gonna please somebody else."

"writers just suck up new experiences— we’re just like the vacuum cleaners of newness." Charlaine Harris love tht quote

Writers as vacuum cleaners of newness - Ms. Harris has a way with words ;-) Awesome metaphor

"Meinungsfreiheit ist ... die Mutter der Wahrheit", sagt Friedensnobelpreisträger Liu

Gerade entdeckt und interessant für (angehende) -Autoren: Written By zum Runterladen als pdf

Winterzeit - -Zeit Podcast-Reihe des Guardian: 12 AutorInnen lesen ihre Lieblingsgeschichte

This much I know: Elmore Leonard E. L., 85, on Dizzy Gillespie, not being frightened, and being a good guy

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Samstag, 11. Dezember 2010

Winterzeit - Geschichtenzeit

Der Guardian stellt eine ganz besondere Reihe von Podcasts mit zwölf Kurzgeschichten ins Netz. Darum geht's:
a special series of podcasts running each day until Christmas in which a collection of our greatest writers read and discuss their favourite short stories
Den Anfang macht heute Philip Pullman (ja, der, der "Der goldene Kompass" und vieles mehr geschrieben hat) Er liest 'The Beauties' by Anton Chekhov. Tee eingießen, Kerzen anzünden, zuhören und genießen.

PS: Was auffällt: die männlichen Autoren lesen ausschließlich Geschichten von männlichen Kollegen vor. Die weiblichen Autoren lesen Geschichten sowohl von weiblichen als auch von männlichen Schriftstellern. Die Vorleserinnen überwiegen (8 von 12) und so bekommen die HörerInnen fünf Geschichten präsentiert, die von Frauen geschrieben wurden, und sieben von Männern.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Eine Fundgrube für (angehende) Journalisten

Viele kennen die Journalismus-Lehrbücher aus der Gelben Reihe des Econ-Verlags. Was aber vermutlich nicht jeder weiß: Zu einigen dieses Bücher gibt es so genannte Online plus-Angebote, also zusätzliche Beiträge, die man im Internet lesen kann. Etwa zum:

- Online-Journalismus,

- Fernseh-Journalismus,

- Radio-Journalismus,

- Thema Interviews führen,

- Thema Die Nachricht,

- Thema Die Überschrift.

Ich habe mich hier auf die Bücher/zusätzlichen Materialien beschränkt, die in irgendeiner Form mit Schreiben zu haben.

Einige interessante Beiträge sind:

Erklärfilm, Rausschmeißer und andere Kurzformen (Gregor Alexander Heussen),

Eine Reportage als Beispiel,

oder Nachrichtensprache (Josef Ohler).

Und wer sich einfach nur amüsieren möchte, lese Ausrutscher in Überschriften – zum Schmunzeln peinlich (für die schönsten Beispiele muss man etwas nach unten scrollen). Viel Spaß!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Francine Prose hat gesagt ...

"For any writer, the ability to look at a sentence and see what's superfluous, what can be altered, revised, expanded, or especially cut is essential. It's satisfying to see that sentence shrink, snap into place, an ultimately emerge in a more polished form: clear, economical, sharp."

Gefunden habe ich das Zitat in Francine Proses Buch "Reading Like a Writer".


Montag, 6. Dezember 2010

Tweets zum Thema Schreiben (7)

Hier wieder meine Tweets zum Thema Schreiben der vergangenen Woche:
Lese gestern vor Publikum einen Kurzkrimi, der 2011 in einer Antho erscheint. Stutze. Stottere, denn ich sehe, zum ersten Mal, dass da steht
"Der Barmann, ein Kerl von einem Baum". Hä??? Soll natürlich heißen: "ein Kerl wie ein Baum". Die Gefahren von Klischees.

New rule for science journalism :-) SMBC - November 26, 2010

Ich habe einige meiner Posts zu kleinen, kostenlosen zusammengestellt:

RT @: words founded today's English
Und hier der Link zum Guardian-Artikel "Word power: the Times claims lead in OED influence"
Sie prägten also die englische : Times, Shakespeare, Sir Walter Scott und die Wissenschaftler der Royal Society

RT @: When you're working very hard you're not lonely; you are the whole damn world. Shelby Foote

RT @: Self Discovery #23: I write best with pens I steal from hotel rooms.

Meine Checkliste für gute Texte

10 Authors Whose Novels Took Over 5 Years to Write and Publish: Es gibt noch Hoffnung ;-)

RT @: The best style is the style you don’t notice. SOMERSET MAUGHAM

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Donnerstag, 2. Dezember 2010

Meine Checkliste für gute Texte

Als kleines Geschenk für meine Blogleser hier eine Checkliste aus meinem Buch "Gut und verständlichen schreiben - in zehn einfachen Schritten":

Checkliste für gute und verständliche Texte

o Text klar gliedern, Anfang und Schluss besonders
leserfreundlich gestalten

o lange Sätze unterteilen

o den richtigen Bezug herstellen

o überflüssige Wörter streichen

o (starke) Verben bevorzugen

o einfache Wörter wählen

o Wiederholungen vermeiden

o positiv formulieren

o Passiv vermeiden

o Regeln der Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik beachten

Soviel zum Handwerklichen. Den guten Inhalt müssen Sie natürlich liefern ;-)

Sie dürfen die Checkliste gerne kopieren und - mit Nennung der Quelle - in Ihrem Blog veröffentlichen, per Mail verschicken oder sonstwie weitergeben.


***

Sie möchten mehr wissen?

Dann "blättern" Sie doch einmal in den Posts und Rubriken dieses Blogs.

Oder - noch einfacher - lesen Sie meinen Ratgeber Gut und verständlich schreiben – in zehn einfachen Schritten. Dort erfahren sie, was die Regeln der Checkliste im Einzelnen bedeuten und wie man sie umsetzen kann.

Neugierig? Lesen Sie, was LeserInnen und ExpertInnen über mein Buch sagen.

Hier können Sie meinen Ratgeber als gedrucktes Buch kaufen:


oder, wenn Sie es ganz besonders eilig haben, als günstigeres EBook bei verschiedenen Anbietern.

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Dienstag, 30. November 2010

Wissenschaftsjournalisten aufgepasst!




Mist. Ich finde keine Möglichkeit, das Bild zu verkleinern. Die vollständige Unterschrift lautet:

New rule for Science Journalism:
If your article can be summarized as "No." don't write it.

Hier ist das gesamte Bild samt Unterschrift zu besichtigen: Saturday Morning Breakfast Cereal.

Montag, 29. November 2010

Tweets zum Thema Schreiben (6)

Hier meine Tweets zum Thema Schreiben der vergangenen Woche:
RT
Reizt mich schon eine Weile: Kurz- in Tweets ->

Großartig! Ein , also ein in Form von Tweets der Detektivin @ Stichwort Autorin: @

Menschen lernen am besten aus .

Wir lieben und brauchen . Sie bleiben im Gedächtnis.

In geht es um Menschen, um menschliche Erfahrungen. Dadurch wirken Informationen authentisch und glaubwürdig.

Schon immer haben Gesellschaften und Kulturen ihre Werte und Glaubenssysteme in weitergegeben.

Kinder lernen aus – heutzutage also auch und vor allem aus Film und Fernsehenen.

Tim Burton Telling Crowd-Sourced Tale via Twitter via @ @

Hier kann man Tim Burtons Experiment verfolgen und selbst mitschreiben (wenn der jeweilige Tweet ausgewählt wird):

RT
If you want to write, keep a low overhead. – Grace Paley RT @ (Wie wahr...)

Etwas Werbung in eigener Sache: Sie alle loben meinen Schreibratgeber Mit neuer Empfehlung von Karina Odenthal

RT @ Zitieren, verlinken, Bilder veröffentlichen: Was ist erlaubt? Wo drohen Strafen?

RT
Sometimes a flat-footed sentence is what serves, so you don’t get all writerly: “He opened the door.” There, it’s open. – Amy Hempel

15-minute writing exercise closes the gender gap in university-level physics s.

RT
Leben vom ? Ein nützlicher Mythos - Ilja Braun bei @:

@: Ich schreibe wie Ingo Schulze lt. FAZ-Test ; Testobjekt: Der Anfang des Kurzkrimis, den ich morgen lese ...


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Dienstag, 23. November 2010

FBI entführt? Wenn der Bezug zwischen Wörtern nicht stimmt

Gitti Schimeck tweetete kürzlich:
Heutige Schlagzeile der Krone hadert auch ein wenig mit Grammatik "Entführer von FBI in Wien gefasst."
Da fragt man sich im ersten Moment: Das FBI? Entführt? Schuld ist der missverständliche Bezug zwischen den Wörtern in der Schlagzeile.

So wäre es eindeutig: Entführer in Wien von FBI gefasst. Noch besser: FBI fasst Entführer von [ergänzen] in Wien.

Die Verwirrung, die diese missverständliche Formulierung auslöst, ist ein guter Anlass, einen Beitrag zu wiederholen, den ich vor gut zwei Jahren gepostet habe. (Tipp für neue Leser: Stöbern Sie einmal im Archiv in Rubriken, die Sie interessieren, z. B. Grundlagen oder Tipps und Tricks.) Doch jetzt zu meinem Post:

Unfreiwillig komisch: Der falsche Bezug

Heute beginne ich mit zwei Beispielen (die unfreiwillig komischen finden Sie gegen Ende des Beitrags):

Besonders gefährdet sind Lendenwirbelsäule und Hüfte. Hier
(in der Wirbelsäule?) kann es im Alter zu den gefürchteten Oberschenkelhalsbrüchen kommen.

Der Zufall hat zwei völlig unterschiedliche Gesichter, meint Autor X in seinem Buch. Der (Das) eine (zu ergänzen: "Gesicht") ist der Zufall erster Ordnung.

Hier knirscht es, weil der Bezug zwischen den Sätzen nicht stimmt. Das ist wie Sand im Getriebe. Auch wenn den meisten Lesern vermutlich nicht sofort klar ist, warum sie bei diesen Textpassagen hängen bleiben: Alles, was stört, hemmt den Lesefluss und muss raus.

Als Verlag, Redaktion oder Werbeagentur sind Ihre Texte das Aushängeschild Ihres Unternehmens.
Das ist ein Fehler, der häufig gemacht wird. Das nächste Substantiv nach dem „als“-Konstrukt ist „Texte“. Die sind aber kein Verlag usw.

Ich hätte beinahe einmal geschrieben:
Als Medizinjournalistin gehört das klinische Wörterbuch "Der Pschyrembel" seit Langem zu meinem Handwerkszeug. Dabei hat "Der Pschyrembel" zwar mit Medizin zu tun, ist aber, wie jeder weiß, gewiss keine Journalistin.

Ein anderes Beispiel:
In Bremen stießen prominente TV-Journalisten auf ein interessiertes Publikum: darunter Ranga Yogeshwar, Moderator von "Quarks & Co." (WDR) sowie "W wie Wissen" (ARD). Er startete die Diskussion...
Ich kann mich natürlich täuschen, aber ich denke, Yogeshwar saß nicht im Publikum. Gemeint war vielmehr:
In Bremen stießen prominente TV-Journalisten
, unter ihnen Ranga Yogeshwar, auf ein interessiertes Publikum. Yogeshwar moderiert "Quarks & Co." (WDR) sowie "W wie Wissen" (ARD). Er startete...

Auch so kann es danebengehen: Unsere Gesellschaft wird immer dicker und älter - Prävention ist im deutschen Gesundheitswesen kaum vorgesehen.
Wie man dem Dickerwerden vorbeugen will, kann ich mir vorstellen. Aber dem Älterwerden?

Das Problem ist also: Ein unklarer oder falscher Bezug zwischen Satzteilen oder Sätzen verwirrt den Leser. Möglicherweise amüsiert er ihn auch. Auf alle Fälle bleibt man hängen. Man denkt nach, man grübelt. Sobald nicht klar ist, worauf ein Wort sich bezieht, kann der Leser nicht mehr mühelos folgen. Worst case-Szenario: Er hört ganz auf zu lesen, weil ihm einfällt, dass er noch anderes zu tun hat.

Lesen Sie also Ihren Text sorgfältig und prüfen Sie, ob der Bezug zwischen Satzelementen und von Satz zu Satz jeweils logisch und stimmig ist. Das ist besonders wichtig, wenn Sie Wörter oder Sätze eingefügt oder gestrichen haben.

Und hier die versprochenen Fundstücke, die mich schmunzeln ließen:

Kann ein Fußball schneller fliegen als der Fuß, der ihn getreten hat? Das ist aber gar nicht gut, wenn der Fuß fliegt. Gemeint ist …, als der Fuß sich bewegt, der ihn tritt? (Die Antwort lautet: Ja.)

Neben den riesigen Oberpflegern sind auch noch alle Fenster vergittert. Der Satz stammt aus einem Aufsatz über „Die Physiker“ von Dürrenmatt. Statt "als" wie weiter vorn bereitet hier "neben" das Problem.

Aus der Beschreibung einer Fernsehkrimifolge: Als die Leiche des Werkstattbesitzers aufgefunden wird, in dem das Unfallauto repariert wurde, ahnen die Kommissare, welchen Umfang der Handel mit gefälschten Ersatzteilen hat. Kein Wunder, dass er tot ist der Werkstattbesitzer. Wenn in ihm ein Auto repariert wurde...

The baby was delivered, the cord clamped and cut, and handed to the pediatrician, who breathed and cried immediately.

The patient lives at home with his mother, father, and pet turtle, who is presently enrolled in day care three times a week. Wie wäre es mit "and" statt "who"?

Dabei wird deutlich, dass sich hinter dem Gesicht des „freundlichen Nachbarn“ auch eine hässliche Fratze verbergen könnte, die urplötzlich losschlägt und seinem Opfer einen grauenvollen Tod beschert. Das Problem: eine Fratze, die „losschlägt“ (hier sind zwei Bilder vermischt, die nicht zusammenpassen). Es entsteht, weil statt "die" "der" stehen müsste, denn vermutlich ist der Nachbar gemeint. Das lässt auch das "seinem" vor Opfer vermuten. Nur steht das Wort "Nachbar" im Satz zu weit entfernt vom Relativsatz, als dass man "die" einfach durch "der" ersetzen könnte. Hier kommt der Autor nicht daran vorbei, die verwendeten Bilder noch einmal gründlich zu überdenken und den Satz (besser: zwei Sätze?) neu zu formulieren.

Als Schmankerl zum Schluss diese Meldung aus der Rubrik Feedback des New Scientists vom 22. September 2007:

Lethal speech

IAN DARBY of Queensland, Australia, was reading The Ramsay Way - the corporate newsletter of Ramsay Health Care - when he stumbled upon a surprising sentence in a report that was headed "Prime Minister honours ANZACS at Greenslopes Private Hospital dawn service".

"The Prime Minister," the report said, "reminded all Australians that they 'owe so much' to the more than 100,000 troops who died in battle during the delivery of his Special Address."

Darby wonders whether lives could have been saved if the PM's speech had been shorter: "Perhaps the carnage could have been completely avoided if the PM had remained silent."

Lesen Sie auch:

Hier wird's holprig,

Unfallgefahr: Wenn Adjektive auf zusammengesetzte Substantive prallen,

Noch einmal: unfreiwillig komisch

und

Wieder einmal Spaß mit dem falschen Bezug
.

Wenn Sie noch mehr lernen möchten über stilistische Fallstricke und wie man sie vermeidet, empfehle ich meinen Schreibratgeber "Gut und verständlich schreiben - in zehn einfachen Schritten":

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Neugierig? Das sagen Experten zu meinem Buch.

Montag, 22. November 2010

Tweets zum Thema Schreiben (5)

Hier meine Tweets zum Thema Schreiben der vergangenen Woche:
Gute Geschichten: lebensgroße ("normale") Menschen in über-lebensgroßen Situationen .

Ein Element guter Geschichten: gewöhnliche Menschen in ungewöhnlichen Situationen.

Gute Geschichten handeln von Menschen in (für sie selbst oder für den Leser) ungewöhnlichen Situationen.

Compelling stories (books or films): the main character needs to be great company.

Wie nennt man jemanden mit multiplen Persönlichkeiten, die alle zu Wort kommen wollen? Schriftsteller.

Autoren sind Menschen, die Stimmen hören und aufschreiben, was sie sagen.

What makes a good ? The reader needs to care about the characters. Otherwise she's not interested in "what happens next".

Donnerstag, 18. November 2010

Englisch schreiben: Hilfen im Internet

Lifehacker listet im Post The Best Language Tools for Geeks verschiedene Tools und Websites auf, die beim Verwenden der englischen Sprache hilfreich sein können.Gedacht für Muttersprachler, aber nützlich für jeden, der viel auf Englisch schreibt.

Besonders gut gefällt mir After the Deadline, das viele Möglichkeiten zu bieten scheint.

Dienstag, 16. November 2010

E-Books: Eine Chance für AutorInnen

Innerhalb weniger Tage habe ich mehrere positive, optimistische Äußerungen von AutorInnen zu den Möglichkeiten des E-Books entdeckt.

Als Erstes hat mich Iris Leister auf diesen ausführlichen Artikel von Cora Stephan (alias Anne Chaplet) aufmerksam gemacht: Revolution in der Gutenberg-Galaxis. Dort schreibt Stephan u. a.:
Amazon stellt seit kurzem eine Plattform zur Verfügung, auf der Autoren ihre Bücher selbst veröffentlichen können – und zwar auch ohne Verlag. Man will dabei die Autoren mit 70 Prozent am Erlös beteiligen (zum Vergleich: An den Buchhandel gehen bis anhin um die 50 Prozent). Auch Apple verhandelt momentan mit den sechs grössten amerikanischen Verlagsgruppen über ähnliche Konditionen. Eine Revolution? Zweifellos. Nur in Europa versucht man die Sache zu verschlafen.

Auch die Autoren schlummern fest. Sie sollten vielleicht einfach einmal nachrechnen: 70 Prozent von 3 Euro oder 10 Prozent von 20 Euro oder 6 Prozent von 9 Euro? Ach? Genau.

Dann fand ich ein Interview mit Rebecca Gablé, mit dieser interessanten Frage und Antwort:
Würden Sie Ihre Romane gerne ins Englische übersetzen lassen?

Gablé Da tun sich gerade mit E-Books durchaus interessante Möglichkeit auf. In den USA hat Amazon zum Beispiel einen eigenen Verlag nur für Übersetzungen gegründet.

Und schließlich sagte John Grisham kürzlich im Wall Street Journal:
The e-book sales are astonishing. Would anybody have thought that a year ago? The future has arrived, and we're looking at it.
E-Books sind für Autoren also kein Grund zum Fürchten, sondern zur Freude, weil sie neue Möglichkeiten bieten.

Einige meiner Gedanken zum E-Book habe ich in diesem früheren Post notiert.

Montag, 15. November 2010

Tweets zum Thema Schreiben (4)

Hier wie gewöhnlich meine Tweets zum Thema Schreiben der vergangenen Woche:
Daran muss ich mich als Autorin manchmal erinnern: Wenn alle nett sind und vernünftig handeln, gibt es keine Geschichte.

Set Up a Writing System that Stays Out of Your Way via @ Anm.: Ich verwende Dropbox

Paris Review - The Art of Fiction No. 203, Ray Bradbury via @ - wunderbares Interview übers und mehr

Bright Passages - first part (about lead paragraphs and role of humor) is inspiring.

Paris Review - The Art of Nonfiction No. 3, John McPhee - hochinteressant

RT
Tipp aus dem Lektorat: Rechtschreibung blitzschnell checken bei SUCHE rechts "in der Duden-Suche" wählen und links Wort tippen

Apropos Fachjargon und Bandwurmsätze: Wenn ich lese, will ich nicht arbeiten. Lernen ist okay, aber nicht Arbeiten.

Disruptive Storytelling plus 6 neue W Das Interessanteste steht am Schluss: die neuen 6 W-Fragen

@ Ich schreibe auch wie Sigmund Freud. (Lt. FAZ-Test mit einem Artikel über psychol. Thema)

@ Toller Post. Und danke für den Tipp mit Storybook. Habe es mir gleich runtergeladen und werde es sicher mal ausprobieren.

Wenn Ihnen meine Tweets gefallen, folgen Sie mir bei
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Donnerstag, 11. November 2010

Es gibt kein hier und heute im Gestern

Heute melde ich mich als stilistische Erbsenzählerin zu Wort.

Wenn Sie eine Geschichte in der Vergangenheitsform erzählen, zum Beispiel einen Roman, sollten Sie alle „heute“, „jetzt“ und „hier“ streichen. Denn Sie erzählen jetzt etwas, und wo Sie sind, ist hier. Was Ihre Figuren erlebt haben, muss sich dann zu einer anderen Zeit und höchstwahrscheinlich an einem anderen Ort zugetragen haben.

Beispiele:
Ming – oder Mike, wie sie ihn ab jetzt von da an nannten – war offensichtlich Kettenraucher.
Hier Dort, wo sie ihr Auto für die Überwachung geparkt hatte, kamen zum Glück nur wenige Menschen vorbei.

Eine Ausnahme bilden offensichtlich die direkte Rede oder die Gedanken einer Figur. Ihre Detektivin darf natürlich sagen (oder denken): „Ich werde der Sache ein Ende machen, und zwar hier und jetzt.“

PS: Ich weiß, diese Regel lässt sich nicht einhundertprozentig befolgen. Aber das Nicht-Einhalten geschieht es auf eigene Gefahr. Denn oft genug stört ein unpassendes "hier" und "jetzt" beim Lesen - und sei es nur unbewusst.

Mittwoch, 10. November 2010

Kurzkrimis

Mein Linktipp heute: The Pen's in My Hand, Ending Unplanned*. Was der Titel nicht vermuten lässt: Es geht in dem Post von um Kurzkrimis (von angelsächsischen Autoren). Und um eine interessante Idee: Kürzestkrimis von 50 Wörtern.

Apropos Kurzkrimis: Einige Geschichten aus meiner Feder (bzw. meinem PC) können Sie im Bonus-Material meiner Website finden, andere in verschiedenen Anthologien. Diese Krimis sind allerdings deutlich länger als 50 Wörter ;-)

Dienstag, 9. November 2010

Tess Gerritsen hat gesagt ...

"When I write, I want my reader to be so swept into the story that they don't notice my style or even the fact that it's a writer telling that story." Nachzulesen in diesem Interview.
Nachtrag 9.11.10 9:00 Uhr: Im Moment (?) funktioniert der Link zu www.thecrimeofitall.com, wo das Interview zu lesen ist, leider nicht.

Montag, 8. November 2010

Tweets zum Thema Schreiben (3)

Hier meine Tweets zum Thema Schreiben aus der vergangenen Woche:
Wenn der Leser sich anstrengen muss, hat der Autor sich nicht genug Mühe gegeben.

RT
Kurt Tucholsky übers Schreiben von Essays

Autoren stehlen Formulierungen, Beobachtungen, Ideen. Das nennt man Recherche. ;-)

RT @ Why (and How) I Decided to Self-Publish ‘Focus’

Mir wurden für das eines Sachbuchs 8% vom Verlagserlös (ca. 4% vom Nettopreis) angeboten.
Wenn ein so wenig zu einem Buch beiträgt (4%?), warum nicht ganz auf ihn verzichten? Lorem ipsum dolor sit amet, ...

Freitag, 5. November 2010

Ein kleines Beispiel aus dem täglichen Lesen

Gerade habe ich diesen Satz in einem Stellenangebot gefunden:
Sie haben bereits erfolgreich bewiesen, dass Sie Autoren akquirieren und steuern können ...
Da hat wohl jemand meinen Post Entlarvt: "Erfolgreich" ist ein typisches Füllwort nicht gelesen ;-)

Auf den Punkt gebracht: Ersetzen Sie "erfolgreich" in Gedanken durch "erfolglos". Wenn ein Satz dann keinen Sinn ergibt (s. Beispiel oben), wissen Sie, was zu tun ist. Genau. Markieren Sie "erfolgreich" und drücken Sie auf DEL(ETE).

Donnerstag, 4. November 2010

E-Books: Gedanken einer Leserin und Autorin

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Thema E-Books und denke:

1. Sie werden in Zukunft einen großen Teil des Buchmarkts ausmachen, aber Papierbücher nicht völlig verdrängen. Weil sie, zumindest für den Kindle von Amazon, so spielend leicht zu erwerben sind, werden sie den Buchverkauf ankurbeln. Das deutet sich, soweit ich weiß, schon jetzt an.

2. Als Leserin habe ich mir gerade einen iPod Touch gekauft und die Kindle-Software installiert. Man kann sie auf verschiedenen Apparaten (PCs etc.) installieren, braucht also nicht unbedingt das Lesegerät von Amazon. Vorgestern Abend habe ich zum ersten Mal einen Krimi auf dem iPod gelesen und nach wenigen Minuten Eingewöhnungszeit ging das erstaunlich gut, obwohl der iPod-Bildschirm wirklich klein ist.

Der Vorteil für mich als Leserin: Manche Bücher sind günstiger. Wobei das gerade bei manchen deutschen Verlagen leider nicht gilt (ich habe sogar schon erlebt, dass ein E-Book teurer war als das gedruckte). Außerdem habe ich herausgefunden habe, dass ich für einen Krimi, für den der amerikanische Autor 2,99 $ auf Amazon.com verlangt als "internationaler" Kunde 5,74 $ bezahlen muss. Mich würde schon interessieren, wer die Differenz bekommt. Bestimmt nicht der Autor. Aber die Tendenz geht dahin, dass E-Books preiswerter sind als gedruckte.

Ein großer Vorteil: Man spart Platz, besonders wichtig auf Reisen. Man kann das Buch nicht "verlieren" oder "verlegen", denn wenn ein Gerät z. B. kaputt geht, kann man sich das Buch auf ein anderes laden (jedenfalls beim Kindle; Bücher des Anbieters ciando wiederum kann man zumindest auch online lesen). Nachteil: Man kann Bücher (noch) nicht verleihen. Obwohl es bei Amazon (bald? schon?) die Möglichkeit zum einmaligen Verleihen für zwei Wochen geben soll.

3. Als Autorin bin ich ein Fan von Amazon/Kindle, weil die Konditionen für Autoren sehr günstig sind. Wenn die Bücher in den USA oder UK verkauft werden, erhält der Autor 70 % des Preises minus "Lieferkosten". Amazon gibt folgendes Beispiel:
For a US Dollar sale, if your book has a file size of 0.400 megabytes and a List Price of $8.99, the Delivery Cost for a sale in US Dollars will be $0.06 (0.400 MB x $0.15 = $0.06), and your Royalty will be $6.25 (($8.99 – $0.06) x 70% = $6.25).
Nachzulesen hier.

Eine deutsche Krimiautorin habe ich auch schon bei Amazon. com und Amazon.co.uk entdeckt: Gesine Schulz.

Bei Verhandlungen mit Verlagen sollten Autoren die Entwicklungen im Auge behalten und bei Verträgen für E-Buch-Rechte bessere Konditionen als für Papierbücher fordern, denn die Verlage sparen sich einiges (Papier, Lager, Transport ...) und wenn ein Autor direkt zu Amazon geht, bekommt er bis zu 70 % (s. o.). Auf keinen Fall werde ich in Zukunft einen Vertrag unterschreiben, ohne mir genau anzuschauen, wie es mit den E-Book-Rechten aussieht bzw. wie sie vergütet werden. Denn selbst wenn E-Books im Moment noch einen recht kleinen Marktanteil haben, kann das in drei, fünf oder zehn Jahren schon ganz anders aussehen.

Vor Raubkopien habe ich übrigens keine Angst, denn ich denke, der positive Effekt der Werbung überwiegt. Es gibt mindestens eine Studie, die zeigt, dass die Leute, die Musik raubkopieren, auch die sind, die sehr viel Musik kaufen (hier noch eine). Wie der Autor Paulo Coelho diesen Effekt für seine Buchverkäufe in Russland genutzt hat, kann man hier nachlesen und hier. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich dem Verleger Ralph Möllers zustimme der sagt: "DRM ist böse."

Ich denke, der Krimiautor J. A. Konrath hat Recht, wenn er sagt, E-Books verkaufen sich dann gut, wenn sie komfortabler (runterzuladen usw.) sind als Raubkopien oder zumindest ebenso einfach zu handhaben und wenn sie billig sind. Dann gibt es keinen Grund für den Leser, Raubkopien mehr oder weniger mühsam zu suchen usw. Beim Verlag (und beim Autor, wenn sein Anteil angemessen ist) käme auch bei niedrigen Preisen durch die gestiegene Anzahl der Verkäufe genug Geld in die Kasse. Falls man auf einen Verlag verzichten kann und will, dann kann der Verkauf über Amazon Monat für Monat ein schönes Sümmchen auf das Konto spülen. (Wenn man Glück hat, gut schreibt und/oder ein Händchen für PR hat.) Über all das schreibt Konrath sehr ausführlich in seinem empfehlenswerten Blog.

Nachtrag (vom 12.1.11) zum Thema Raubkopien:
1. Joanna Penn fragt Piracy vs Obscurity: Which Is Worse For Authors?
2. Johannes Haupt schreibt (die Überschrift ist etwas irreführend) iPad beflügelt eBook-Piraterie

Kurz: E-Books sind ein Thema, an dem LeserInnen und AutorInnen in Zukunft kaum vorbeikommen.

Für alle, die es ausprobieren möchten: Beim Project Gutenberg*gibt es viele kostenlose E-Books (Bücher, deren Rechte abgelaufen sind) für verschiedene Reader. Beim E-Book-Anbieter ciando ist der Donnerstag, also z. B. heute, freeBook-Day, d. h. es gibt ein E-Book umsonst. Ich selbst habe es allerdings noch nicht ausprobiert. Zu ciando: Die E-Books, die dort angeboten sind, funktionieren auf einigen Readern (nicht jedoch Kindle), einigen Smartphones und auf PCs. Von mir gibt es dort einen Schreibratgeber:

* hier der Link zum deutschen Projekt Gutenberg. Ich weiß allerdings nicht, in welchen Formaten die Texte vorliegen.