Donnerstag, 25. Februar 2010

Kurzgeschichten schreiben (Teil 5): Die Mitte

Über den mittleren Teil einer Kurzgeschichte ist nicht viel zu sagen, weil Sie hier nach Lust und Laune schalten und walten können. Einzige Bedingung: Sie müssen ihre Geschichte planvoll auf das Ziel (den Schluss) hin vorantreiben und dabei so interessant und spannend schreiben, dass der Leser bei der Stange bleibt.

Deshalb, denke ich, ist in diesem Post wie angekündigt Platz für ein paar weitere allgemeine Anmerkungen über das Schreiben von Kurzgeschichten und darüber, was man tun kann oder tun sollte (wie immer ganz subjektiv):

- Ein Problem bei manchen Kurzgeschichten ist, dass sie furchtbar viele Beschreibungen enthalten, aber wenig Handlung und keine Überraschungen. Nur, wenn ich schon weiß, was passiert, warum soll ich die Geschichte dann lesen?

- Stichwort Erzählperspektive. Überlegen Sie, aus wessen Sicht die Geschichte geschildert wird. Gibt es einen Ich-Erzähler? Oder erzählen Sie in der dritten Person? Besonders bei kurzen Texten empfiehlt es sich, bei einer Perspektive zu bleiben. Auf keinen Fall sollte Sie planlos verschiedene Sichtweisen (Täter und Zeuge oder Opfer z. B.) mischen. Das überfordert die Leser.
Kurzkrimis erzählt man gerne aus der Sicht des Täters. Denn auf drei bis zehn oder auch fünfzehn Seiten, so lang sind z. B. meine Geschichten in der Regel, hat der Autor nicht viel Zeit eine Welt zu entwerfen und auch noch verschiedene Personen zu beschreiben. Also versetzt man sich in den Kopf der einen Person, ohne die kein Krimi auskommen kann, nämlich in den des Täters. Und schildert dann alles aus seiner Sicht.

- Apropos Textlänge: Überlegen Sie, ob Sie viel oder wenig Dialoge verwenden möchten. Nach meiner Erfahrung macht direkte Rede eine Geschichte lebendiger, aber auch länger.

- Ein Problem bei Kurzgeschichten (jedenfalls für mich als Leserin und Autorin): Man entwickelt Interesse an einer Figur, sie wächst einem vielleicht sogar ans Herz, und dann ist die Geschichte auch schon (viel zu früh) vorbei. Die Lösung: wiederkehrende Protagonisten, sozusagen Serienfiguren wie beim Fernsehen. Es gibt Autoren, die dieselbe Figur öfter verwenden. Ich habe schon mehrere Geschichten über die Mannheimer Privatdetektivin Anja Zenk geschrieben und einige andere über meinen Kommissar Kolm, der ein wenig klassischen Krimifiguren ähnelt.

- Last, but not least, sind Kurzgeschichten für mich ein wunderbares Experimentierfeld, denn man kann, einfacher als im Roman, Schreibweisen, Stilmittel, Personen usw. ausprobieren.

Übung: Jetzt wird's ernst ;-) Suchen Sie aus Ihren Notizen zu den Übungen aus Teil 3 und Teil 4 die beste Idee aus und schreiben Sie die erste Fassung einer Kurzgeschichte. Schreiben Sie einfach auf, was Ihnen einfällt. Überarbeiten können Sie später.

Dieser Post ist Teil einer ganzen Reihe von Beiträgen über das Schreiben von Kurzgeschichten. Mehr darüber, welche Themen ich bereits behandelt und welche ich noch geplant habe, erfahren Sie in meinem Post Kurzgeschichten schreiben.

Es ist Ihnen zu mühsam, sich die einzelnen Posts hier im Blog zusammenzusuchen? Da habe ich eine bequeme, kostengünstige Alternative für Sie:

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Montag, 22. Februar 2010

Natalie Angier hat geschrieben ...

"If you write about science, you will never be bored."

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen!

Gefunden habe ich das Zitat in Angiers Vorwort zu diesem Buch


Donnerstag, 18. Februar 2010

Kurzgeschichten schreiben (Teil 4): Der Anfang

Der Anfang einer Geschichte soll den Leser in den Text ziehen. Er soll uns dazu bewegen, verlocken, zwingen, weiterzulesen.

Die wichtigste Aufgabe der ersten Sätze ist es, den Leser neugierig zu machen. Punkt.

Dabei darf der Autor keine Versprechungen machen, die die Geschichte nicht einhält. Das heißt, Handlung, Personen, der Ton müssen eine realistische Vorstellung von der weiteren Story erlauben.

Die folgenden Writing Secrets von Steven Goldsberry fand ich auf der Website von Writer's Digest:
The opening paragraph, sentence, line, phrase, word, title—the beginning is the most important part of the work. It sets the tone and lets the readers know you're a commanding writer.
Besonders für Kurzgeschichten gilt außerdem: Keine langen Vorreden! Kommen Sie sofort zur Sache.

Und so fangen einige meiner Geschichten an:

„Ein Toter in einem verschlossenen Raum. So einen Fall wollte ich immer schon mal lösen. Und dann noch in einem alten Herrenhaus.“ Hauptkommissar Gernot Kolm blickte sich begeistert um. (Ein klassischer Fall)

Er war blond, er war in Not und er brauchte meine Hilfe. (Auf den Hund gekommen)

Es war Viertel vor sieben am Morgen und die Welt war keineswegs in Ordnung. (Der Raser)

7.00 Uhr bis 8.00 Uhr
Piep – piep – piep – piep. Jakob Bauer tastete blind nach seinem Wecker. (24 in Duisburg)

So weit, so gut, dachte er. Niemand aus der Nachbarschaft hatte gesehen, wie Iris zu ihm ins Auto stieg. (Blumen des Bösen)

Vorsichtig öffnete ich die Kühlschranktür auf der Suche nach etwas Essbarem. (Es ist nicht alles Blut, was glänzt)

Brecht, dieser verdammte Idiot. Vor einer Stunde hatte Cori Stein erfahren, dass ‚Hamburg am Sonntag’, dieses Revolverblatt, ihr die Story vor der Nase weggeschnappt hatte. (Der Thriller, an dem ich gerade arbeite)

Wie Sie sehen, habe ich mich nicht immer an die Regeln von J.A. Konrath gehalten, die ich schon mehrfach erwähnt habe. (Z. B. "DO NOT START A STORY WITH THE PROTAG WAKING UP".) Aber ich hatte meine Gründe, wie Fans der Serie "24" verstehen werden ;-) Ich hoffe, diese ersten Sätze haben Sie trotzdem neugierig gemacht. Auf meiner Website können Sie nachlesen, wo Sie die einzelnen Geschichten finden können.

Tipp: Lesen Sie einmal die ersten Sätze von Kurzgeschichten (und auch Romanen), die Ihnen gefallen. Wie erwecken die Autoren Ihre Neugier?

Übung: Schreiben Sie spontan die Anfänge von zwei oder drei (neuen, hypothetischen) Geschichten auf. Vielleicht überraschen Sie sich selbst und es entwickelt sich mehr daraus.

Dieser Post ist Teil einer ganzen Reihe von Beiträgen über das Schreiben von Kurzgeschichten. Mehr darüber, welche Themen ich geplant habe, erfahren Sie in meinem Post Kurzgeschichten schreiben.

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Dienstag, 16. Februar 2010

Wieder einmal Spaß mit dem falschen Bezug

Neulich las ich in einer Pressemitteilung:
Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS) haben eine schnelle Screening-Methode für Neurotoxine in Dortmund entwickelt ...
Nun habe ich lange in Dortmund gelebt. Deshalb interessiert mich besonders: Was ist denn so speziell an den dortigen Neurotoxinen? ;-)

Gemeint war vermutlich:

Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund haben eine schnelle Screening-Methode für Neurotoxine entwickelt ...

oder:

Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS) haben in Dortmund eine schnelle Screening-Methode für Neurotoxine entwickelt ...

Wir lernen: Es ist wichtig, beim Schreiben genau darauf zu achten, was sich worauf bezieht - sonst ist die Leserin mit ihren Gedanken plötzlich ganz woanders.

Sie haben noch nicht genug? Dann lesen Sie

Unfreiwillig komisch: Der falsche Bezug,

Unfallgefahr: Wenn Adjektive auf zusammengesetzte Substantive prallen

sowie

Noch einmal: unfreiwillig komisch
.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Kurzgeschichten schreiben (Teil 3): Was macht eine Kurzgeschichte aus?

Zuerst erscheint mir eine Warnung angebracht: Wie bei allen Posts zu diesem Thema erwartet Sie keine umfassende Abhandlung, sondern ich notiere hier das, was ich weiß und was mich interessiert.

Ich orientiere mich weniger an Klassikern, wie wir sie früher im Deutschunterricht behandelt haben, etwa Wolfgang Borchert oder Marie Luise Kaschnitz, oder an Stories der amerikanischen Literatur von Autoren wie Ernest Hemingway und Flannery O'Connor. Mich interessiert eher, wie man hier und heute und vor allem im Krimigenre schreibt. Aber natürlich gibt es Überschneidungen, die auf die verschiedenen Spielarten dieser Textart zutreffen.

Genug der Vorrede. Was zeichnet eine typische* Kurzgeschichte aus?
  • Sie ist einige Seiten lang. Eine genauere Definition ist unsinnig. In Extremfällen kann eine Kurzgeschichte auch mit einer Seite oder weniger auskommen. Eine andere Definition: Man kann die Geschichte "in einem Rutsch", also an einem Abend, vielleicht auch während einer Straßenbahnfahrt oder beim Arzt im Wartezimmer ganz durch lesen. Bei Ausschreibungen für Anthologien und bei Wettbewerben ist gewöhnlich eine bestimmte (maximale) Länge vorgegeben (mehr dazu in Teil 9 dieser Reihe, dem Post "Die Kurzgeschichte ist fertig. Was nun?").
  • Das Personal ist überschaubar. Eine Kurzgeschichte kommt mit wenigen Charakteren aus.
  • Gewöhnlich ist sie aus einer Perspektive erzählt. (Anders als ein Roman, bei dem man die Geschichte manchmal abwechselnd aus der Sicht mehrerer Personen erlebt.)
  • Es gibt nur wenige Schauplätze.
  • Die Handlung findet eher innerhalb von Stunden und Tagen als im Laufe von Jahren und Jahrzehnten statt.
  • Einzelheiten zu Anfang und Schluss erfahren Sie in den entsprechenden Posts.
  • Ich schreibe meine Kurzkrimis so, dass man sie gut vorlesen kann. Also zum Beispiel einfache, relativ kurze Wörter und Sätze. Dann hat es auch der Leser leichter.
*Natürlich gibt es keine allgemeingültigen Regeln darüber, wie eine Kurzgeschichte auszusehen hat. Was ich hier aufzähle sind einige - hoffentlich hilfreiche - Richtlinien zur Orientierung.

Jede Menge Menschen, die klüger sind als ich, haben Abhandlungen und ganze Bücher darüber geschrieben, was eine Geschichte ausmacht - egal, ob als Kurzgeschichte, Roman, Film, Comic, Webserie oder was auch immer. Deshalb nur folgender

Tipp für Anfänger: Jede Geschichte braucht einen Konflikt, das bedeutet meistens (mindestens) zwei Handelnde mit unterschiedlichen Interessen. Oder anders gesagt: Die Hauptperson will etwas und muss Widerstände überwinden, um es zu erreichen oder zu bekommen.

Wenn Sie mehr über einen guten Schreibstil lernen möchten, stöbern Sie in diesem Blog, z. B. in der Rubrik Grundlagen. Oder machen Sie einen Crash-Kurs mit meinem Workshop in Buchform Gut und verständlich schreiben – in zehn einfachen Schritten.

Übung: Machen Sie sich Notizen für eine eigene Kurzgeschichte. Vielleicht auf der Basis der Übung in Teil 1. Wer sind die Handelnden? Was soll passieren? Wo und wann soll sie spielen?


Hier noch ein wenig Lektüre zum Thema Kurzgeschichten (schreiben(Die ersten beiden Texte sind von meinungsfreudigen Jury-Mitgliedern bei Wettbewerben und zumindest teilweise bedenkenswert.)
http://willesdenherald.blogspot.com/2008/02/common-faults-in-short-stories.html
http://jakonrath.blogspot.com/2009/07/how-not-to-write-story.html
http://latimesblogs.latimes.com/jacketcopy/2009/12/john-grisham.html
http://www.guardian.co.uk/books/booksblog/2009/dec/29/


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Dienstag, 9. Februar 2010

Briefe, Lebensläufe und vieles mehr auf Englisch schreiben - mit Openoffice

Eine Fülle von Musterbriefen, Vorlagen für Lebensläufe (d. h. resumes, CVs) und andere Dokumente finden Menschen, denen im Englischen die Worte fehlen, auf der Templates-Site von OpenOffice.

Denselben Service gibt es auch in einer Reihe anderer Sprachen, von Chinesisch bis Schwedisch. Und natürlich auch auf Deutsch. Aaaallerdings ... hoffe ich, dass die Rubrik Am Beliebtesten keine Rückschlüsse auf die Qualität der Rechtschreibung zulässt. Diese Muster sind also beliebt, beliebter, am Bbeliebtesten?

Vielleicht sollten die Zuständigen bei OpenOffice einmal in Ruhe diesen meinen Post lesen: Rechtschreibfehler, die Sie am besten vermeiden sollten.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Kurzgeschichten schreiben (Teil 2): Was berühmte Autoren sagen

Hier eine ganz persönliche, willkürliche Auswahl unterschiedlicher Stimmen zum Thema Kurzgeschichte.

Krimiautor Peter Lovesey:

"I love doing short stories whenever I can, and I think that’s what I do best. You can take bigger risks and try new things out. I even did one called Youdunnit, in which the reader committed the murder."

***

Isabel Allende:

"A short story comes whole; there is only one appropriate ending for it. All the others are not. And you know it; you feel it. If you can't find that ending you don't have a story, it's useless to work on it anymore. To me a short story is like an arrow; it has to have the right direction from the beginning and you have to know exactly where you're aiming."

und

"In the short story you have all the control, however, there are very few good short stories. And there are many memorable novels. In a short story, it's more important how you tell it than what you tell; the form is very important. In a novel you can make mistakes and very few people will notice."

***


Ein Essay von Stephen King (einem der Meister dieser Textform) mit dem Titel What Ails the Short Story.

***

John Grisham über seinen Kurzgeschichten-Band Ford County:

"I’ve had dozens of ideas for Ford County novels, almost all of which peter out for one reason or another, but when one fades away, two more pop up and hold my attention for a year or so. The good stories stick, but they’re not always long enough to become novels.
To give them life, and to make sure I don’t eventually forget them, I have collected seven of my favorites, seven longer stories, ..."

***

Jeffrey Deaver über seine Kurzkrimi-Sammlung Twisted:
"Short stories are like a sniper's bullet. Fast and shocking. I can make good bad and bad badder, and most fun of all, really bad seem good."


Tipp: Lassen Sie sich von Ihren LieblingsautorInnen inspirieren. Lernen Sie von ihnen. Lesen Sie möglichst viele Kurzgeschichten und überlegen Sie, was Ihnen gefällt - und was nicht.


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Montag, 1. Februar 2010

Sie haben es so gewollt ...

Das Ergebnis meiner kleinen Umfrage hier im Blog ist eindeutig: Mehr als drei Viertel der Teilnehmer (7 von 9) möchten meine Schreibratgeber lieber als gedrucktes Buch lesen.

Einerseits finde ich, dass sich gerade bei diesen Büchern, mit denen man ja arbeitet, das E-Book-Format durchaus anbietet. (Eher als bei einem Krimi, mit dem man es sich gemütlich machen und den man vielleicht auch verleihen möchte.)

Aber ich sehe natürlich auch, dass es zunächst noch Hemmschwellen zu überwinden gibt. Sei es, dass der Kauf eines Papierbuchs einfacher ist - bei Amazon z. B. sind die meisten angemeldet, bei ciando noch nicht. Und verschenken kann man ein E-Book auch (noch) nicht.

Ich werde mich also in den kommenden Tagen (zunächst) um eine Printausgabe von "Gut und verständlich schreiben" kümmern. Vielleicht klappt's noch im Februar. Ich werde Sie informieren, wenn es soweit ist.