Dienstag, 28. September 2010

Keine Angst vorm Schreiben: 3. Schreibsprints

Eine Sonderform der Methode "Kleine Schritte" (s. mein früherer Post) sind so genannte Schreibsprints, die ebenfalls Schreibhemmungen überwinden sollen. Indem man für relativ kurze Zeit sozusagen oder tatsächlich, bis der Wecker klingelt, wie wild und unzensiert schreibt, ohne nach links und rechts zu schauen.

Die Drehbuchautorin Jane Espenson verabredet sich per Twitter mit Gleichgesinnten zu 30-minütigen Schreibsprints (beispielsweise hier und hier). "Keep going if you're rolling!", schreibt sie in ihrem zweiten Tweet. Wenn man einmal die Blockade durchbrochen hat, verbietet einem ja niemand weiterzumachen.

Wenn Sie mit großen inneren Widerständen zu kämpfen haben und der Schweinehund sehr laut knurrt, dann beginnen Sie eben mit einem ganz kleinen Schritt, also einem Sprint von 15 Minuten. Damit Sie in dieser Zeit aber tatsächlich schreiben und sich nicht ablenken lassen, weil Sie glauben, immer wieder auf die Uhr schauen zu müssen, stellen Sie sich einen Küchenwecker oder einen Timer im Internet.

Eine etwas andere Art von Schreibsprints beschreibt Chip Scanlan in seinem Post Chip on Your Shoulder. (Man beachte außerdem die Hinweise auf Rituale und Automatismen, sprich: Gewohnheiten.)

Und ich rufe Ihnen jetzt mit Jane Espenson zu: "Writing Sprint is ON! Go go go!!!!!! See you in half-hour!"

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Hier finden Sie weitere Posts zum Thema:

Die Schreibangst überwinden

Freitag, 24. September 2010

Kostenlose Kurzgeschichten zum Wochenende

Heute mal wieder ein Linktipp, oder eigentlich zwei:

zum Kurzkrimi Freaks von Tess Gerritsen

und

zu den Kurzgeschichten von Fantasy- und Science-Fiction-Autor Neil Gaiman.

Und wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, selbst eine Kurzgeschichte zu schreiben, noch ein Tipp: Lesen Sie doch mal meine Posts zu diesem Thema.

Mittwoch, 22. September 2010

Auch Studenten schätzen meinen Schreibratgeber

Tanja Topic hat mein Buch Gut und verständlich schreiben - in zehn einfachen Schritten rezensiert, und zwar für die Heidelberger Studierendenzeitung ruprecht. Der Titel der Besprechung lautet: Schreiben lernen leicht gemacht, Untertitel: Praktische Tipps von einer Journalistin.

Hier der Anfang:
Die Journalistin Ingrid Glomp hat einen übersichtlichen und gut gegliederten Schreibratgeber herausgebracht. Nicht nur das Kapitel "Texte mit Struktur" wartet mit nützlichen Tipps auf: Der Aufbau ihres Buches beweist, dass sie strukturiert vorgehen kann.
Und dieses Lob freut mich besonders: "Lesegenuss pur", denn ein Buch übers Schreiben, das schwer zu lesen ist, wäre schon irgendwie peinlich ;-)

Die gesamte Rezension finden Sie hier.

Neugierig? Hier können Sie meinen Ratgeber kaufen:

als gedrucktes Buch

oder, wenn Sie es besonders eilig haben, als günstigeres EBook bei verschiedenen Anbietern.

Dienstag, 21. September 2010

Keine Angst vorm Schreiben: 2. Die Macht der Gewohnheit

Ende letzten Jahres fragte ich mich: Wieso schaffe ich es regelmäßig (dreimal die Woche) ins Fitness-Studio zu gehen, aber zwischen den Tagen, an denen ich an meinem Roman geschrieben habe, vergingen manchmal Monate, wenn nicht ein ganzes Jahr? Die Frage enthielt natürlich schon die Antwort: "regelmäßig". Der Sport ist eine Gewohnheit, das Schreiben am Thriller war es nicht. (Die Fettungen in den folgenden Zitaten stammen von mir.)

"The only other thing I want to say about getting ready to write is that it is very important to write at the same time every day. Two hours at the minimum ..." Stephen J. Cannell im ersten Teil seines Writing Seminars.

"I started writing one afternoon when I was twenty, and ever since then I have written every day." David Sedaris im Blog des New Yorkers.

"Write every day." Jane Yolen in ihrem Buch Take Joy: A Book for Writers.

Das Geheimnis produktiver Autoren? Sie haben das Schreiben zur Gewohnheit gemacht.

Ich möchte Sie überzeugen, dass Gewohnheit ein probates Mittel ist (wenn nicht sogar das wichtigste), um dafür zu sorgen, dass man sich nicht erst groß überwinden muss, mit dem Schreiben zu beginnen. Deshalb die Zitate von ganz unterschiedlichen Menschen, aber mit ganz ähnlichen Botschaften in diesem Post.

Viele Autoren schreiben außerdem immer zur selben Zeit, nämlich dann, wenn es ihnen besonders leicht fällt. (Bei mir ist das der Morgen.)

"Decide when in the day (or night) it best suits you to write, and organise your life accordingly." Andrew Motion

"Find your best time of the day for writing and write. Don't let anything else interfere. Afterwards it won't matter to you that the kitchen is a mess." Esther Freud

Diese beiden Zitate stammen aus dem Guardian-Artikel Ten rules for writing fiction.

Eine bestimmte Schreibzeit festzulegen, erleichtert das Bilden einer Gewohnheit. Wichtiger ist aber, dass man überhaupt (fast) jeden Tag schreibt, weil das die inneren Widerstände beseitigt bzw. sie nicht aufkommen lässt.

"When I am writing, I do it every day, seven days a week." Barbara Taylor Bradford in einem Interview mit dem Guardian.

Versuchen Sie es. Sie werden sehen, wie der innere Widerstand von Tag zu Tag kleiner wird.

Am besten setzen Sie sich zu Anfang lächerlich kleine Ziele. Denn Kleine Schritte und Die Macht der Gewohnheit sind ein starkes Team, wenn es darum geht, Schreibblockaden zu überwinden und Ängste gar nicht aufkommen zu lassen. Das gilt nicht nur für das Schreiben von Fiction, sondern genauso für Dissertationen, Hausarbeiten, Artikel, Sachbücher und alle anderen Texte.

Wie das aussehen kann, sagt Cory Doctorow in seinem Artikel Writing in the Age of Distraction: "When I'm working on a story or novel, I set a modest daily goal — usually a page or two — and then I meet it every day, doing nothing else while I'm working on it ..."

Worauf warten Sie noch?

Ich schreibe übrigens seit dem 1. Januar dieses Jahres täglich an meinem Roman (bis auf einen Durchhänger im August, aber ich wusste ja, wie ich wieder den Anfang finde). Seitdem wächst der Text langsam, aber stetiger als je zuvor.

Ein allerletztes Zitat, das zeigt, dass diese Methode auch bei anderen Aufgaben funktioniert:

"... it’s more important to look at all of the smaller steps that bring you to the bigger goal. The practice of daily habits—familiar to everyone in the Zen Habits family—is also crucial."

Das schreibt Chris Guillebeau in einem Gastpost im Blog zenhabits über (jawohl) erfolgreiche Geschäftsleute.

Donnerstag, 16. September 2010

Schreiben lernen mit Twitter

Schreiben lernt man, indem man es tut. Also auch beim Tweeten. (Oder Twittern? So steht's im Duden.) Dass das Schreiben von Twitter-Mitteilungen eine gute Übung ist, finden auch die beiden Autorinnen Susan Orlean und Jane Espenson.

Susan Orlean sagt in einem Interview zu diesem Thema:
I think, for a writer, any writing you do, whether it’s an email or anything else, exercises the same muscles that are going to be used when you sit down to write your magnum opus.
und
I think that every time you write, you’re learning something.
Und Jane Espenson tweetet (twittert?):
I love it. I'm relearning brevity, the simple art of the terse and pithy phrase, the elegance of the tiny well-turned jest.
S. dazu auch mein Post Schreiben üben mit Twitter und Facebook.

Vielleicht sollte ich mich auch endlich bei Twitter und Facebook anmelden?

Dienstag, 14. September 2010

So arbeiten Schriftsteller: Joyce Carol Oates

Über die Arbeitsweise und Produktivität von Joyce Carol Oates gibt es mit Sicherheit eine Menge zu sagen. Ich möchte hier jedoch meine kleine Reihe fortsetzen, in der ich zu Manuskriptseiten verschiedener Autoren verlinke, um zu zeigen, dass auch - oder gerade - die ganz Großen ihre Texte teilweise heftigst überarbeiten.

Auf der Website des Joyce Carol Oates Archivs der Syracuse University kann man in der Rubrik Research & Bibliography einige Manuskriptseiten der Autorin studieren.

Posts über andere Autoren:
John Updike
Charles Dickens
Grace Paley

Montag, 6. September 2010

Jennifer Egan gibt Auskunft

In einem Interview mit dem Blog Paper Cuts der New York Times erzählt die Romanautorin Jennifer Egan, wie sie schreibt:
My writing life has several distinct phases. Right now I’m creating rough material, which I do by hand, on yellow legal pads, sloppily and illegibly and with as little conscious thought as possible. I try to write between five and seven pages a day, starting in the morning, and it can take as little as an hour or as long as a day.
Und weiter:
Sometimes I’ll flail around for months in this state before I find a voice or a clear direction to move in, ... Of course, the actual prose is mostly terrible, and once I have a first draft I’ll spend years revising it, using maniacally detailed outlines and always working by hand on hard copies — I never write or edit fiction on a screen because I make bad choices when I do. I number my drafts, and by the time a book is done I’ll have 75 or 80 drafts of some sections.
Wahrhaftig: Writing is rewriting.