Samstag, 16. Februar 2013

Meine Erfahrungen als Indie-Autorin: E-Book und E-Book Plus

Ich habe kürzlich einen interessanten Beitrag in Joanna Penns Blog gelesen: Why And How To Use MultiMedia To Enhance Your Ebooks. Das brachte mich dazu, darüber nachzudenken, was ich selbst von mit anderen Medien aufgepeppten Büchern halte (also im Wesentlichen mit Fotos, Video und Audio) - als Leserin und als Autorin. Dass wir uns vom gedruckten Buch lösen (können), eröffnet ganz andere Möglichkeiten. Und als Indie-Autorin entscheide ich ganz allein und könnte entsprechend viel ausprobieren und gegebenenfalls auch wieder rückgängig machen.

Ich muss sagen, dass ich als Leserin bis vor Kurzem sehr skeptisch war. Mich interessiert in erster Linie der Text, bei Geschichten sowieso, aber auch bei Artikeln in Zeitschriften oder auf Websites. Allenfalls sollten Letztere mit ein, zwei Grafiken und ein paar Fotos illustriert sein. Dachte ich zumindest, bis ich die New York Times Geschichte Snow Fall entdeckte. Wirklich lesens- und ansehens- und anhörenswert. So kann Multimedia funktionieren, glaube ich nun.

Als Autorin lernte ich an diesem Beispiel jedoch auch zweierlei - und zwar unter praktischen Gesichtspunkten. Um das Leseerlebnis, das Snow Fall zweifellos bietet, richtig genießen zu können, musste ich mir einen Tablet PC ausleihen. Und so eine Multimedia-Geschichte ist eine richtige Produktion (im Sinn von Film- oder Fernsehproduktion), die man allein wohl kaum stemmen kann.

Was mich im Moment davon abhält, Multimedia in meine E-Books einzubauen, sind entsprechend zwei Dinge. Erstens würde es mich sehr viel Mühe kosten, mich einzuarbeiten und etwas Schönes und Nützliches zu gestalten. Selbst wenn ich kleiner anfangen und weniger Aufwand treiben würde, indem ich mich vielleicht an Vorschlägen in dem zu Anfang genannten Blogpost orientiere. Zweitens glaube ich aber auch, dass viele Menschen E-Books (noch?) auf Geräten lesen, etwa dem einfachsten Kindle, die es nicht erlauben Multimedia-Inhalte dazustellen.

Was ich bisher deshalb getan habe, ist, verstärkt mit Links zu arbeiten. Bei meinen Schreibratgebern verlinke ich aus dem Text heraus zu weiterführenden Websites und versammele am Ende noch einmal Links, die für die Leser interessant sein können, weil sie zusätzliche Informationen bieten. Das kommt recht gut an, so meine Erfahrung, s. z. B. diese Rezension.

Bei meinem Thriller Ohne Skrupel und meiner Kurzkrimi-Sammlung Die Detektivin und der Kommissar andererseits verlinke ich am Ende der Geschichten auf Blogposts mit Hintergrundinformationen oder Fotos. Sozusagen als Angebot für Interessierte und in einer Form, die so mancher Reader und jeder PC gut darstellen kann. Dazu habe ich allerdings noch keine Rückmeldungen bekommen.

Was bringt die Zukunft? Mittelfristig könnte ich mir vorstellen, etwa bei meinem nächsten Thriller, eine einfache und eine Plus-Version anzubieten. Die einfache für Menschen, die nur den reinen Text lesen möchten oder können, die Plus-Version mit Fotos, vielleicht kurzen Videos und anderem. Was bedeutet das für mich als Autorin? Bei Recherchen und z. B. bei entsprechenden Reisen muss ich stärker als bisher an mein zukünftiges Buch denken, etwa im Hinblick auf Bildmaterial und dessen Qualität.

All diese Entwicklungen finde ich spannend. Noch wichtiger ist jedoch die Frage: Was wollen die Leser? Oder, da es "den Leser" nicht gibt und Schreiben für mich Beruf und nicht Hobby ist: Welche Versionen finden genügend Käufer - und welche nicht?

Donnerstag, 14. Februar 2013

Über Schwieriges einfach schreiben: 1. Mehr Mut zur klaren Aussage

Für alle, die neugierig sind, was es mit meiner neuen Reihe Über Schwieriges einfach schreiben auf sich hat, folgt hier die erste Lektion.

Beispiel #1:
Man wird den Vorwurf erheben müssen, dass es derzeit an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Kontrolle mangelt. 
Beispiel #2:
Es darf als gesichert gelten, dass ein späterer Unterrichtsbeginn dem Biorhythmus der Kinder eher entspricht. 
Fällt Ihnen etwas auf? Die einleitenden Worte (vor dem Komma) ändern jeweils nichts am Sinn der Aussage.

Wenn man einen Vorwurf erheben muss, dann sollte man das tun. Beim zweiten Beispiel ist die Lage verworrener: Ist „als gesichert gelten“ nicht im Grunde ein Paradoxon? Entweder etwas ist gesichert, dann ist es so. Oder es gilt als etwas (was auch immer), dann ist es vermutlich, aber nicht mit Sicherheit so. Wenn etwas aber gesichert ist, dann sollte man es sagen, ohne Wenn und Aber und ohne lange Einleitung.

Zum Beispiel so:
Derzeit mangelt es  an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Kontrolle.
Oder so:
Ein späterer Unterrichtsbeginn entspricht dem Biorhythmus der Kinder eher.
Verstecken Sie sich nicht hinter geschraubten Formulierungen. Haben Sie Mut zur klaren Aussage. Am besten in einem einfachen Hauptsatz.

Über Schwieriges einfach schreiben

Ich lerne seit einiger Zeit Spanisch, und zwar im Internet mit duolingo. Das ist ein Programm bzw. ein Internetangebot, mit dem man kostenlos* verschiedene Sprachen lernen kann und das Wissenschaftler der Carnegie Mellon University entwickelt haben. Und in das u. a. Ashton Kutcher investiert hat - aber das nur am Rande ;-)

Das Besondere an duolingo ist, dass man keine Grammatik zu pauken braucht, ja, die entsprechenden Regeln werden nicht einmal erklärt. Anhand vieler, vieler Beispiele lernt man so lange, bis man intuitiv weiß, wie die richtige Verbform lautet und welche Endung bei einem Adjektiv korrekt ist.

Gleichzeitig denke ich schon seit einiger Zeit über ein Büchlein nach, aus dem Studenten, Wissenschaftler und Menschen in vielen anderen Berufen lernen können, wie man über schwierige Sachverhalte verständlich schreibt.

Der Spanischkurs brachte mich auf die Idee zu versuchen, das, was ich über klares Formulieren weiß, anhand vieler Beispiele zu veranschaulichen, so dass den Lesern die entsprechenden Regeln in Fleisch und Blut übergehen, ohne dass sie sie explizit lernen müssen.

Offensichtlich eignen sich für so eine Vorgehensweise ganze Artikel oder Berichte eher nicht als Anschauungsmaterial. Aber schon und gerade auf der Ebene einzelner Sätze lässt sich in Bezug auf Verständlichkeit viel erreichen.

Die Beispiele, die ich verwenden werde, stammen teilweise aus der Wissenschaft (genauer: der Medizin und verwandten Gebieten), weil ich mich mit diesen Themen auch als Journalistin beschäftige und weil es dabei häufig um komplexe Zusammenhänge geht. Teilweise stammen sie aber auch aus anderen Quellen.

Die Reihe "Über Schwieriges einfach schreiben" ist also ein Experiment. Ich hoffe, Sie haben beim Lesen und Lernen ebenso viel Spaß wie ich beim Planen und Schreiben.Und wer weiß, vielleicht wird am Ende ein Büchlein daraus wie diese beiden:

 
 
 
 
Und hier sind sie noch einmal, in einem Band vereint:



*Man bezahlt, indem man dafür hilft, Websites in andere Sprachen zu übersetzen.