Donnerstag, 30. Mai 2013

Besser schreiben in Schule, Studium und Beruf

Mein neuer Schreibratgeber ist erschienen! Der Titel: Über Schwieriges einfach schreiben. Und darum geht's: 
Für alle, die in Schule, Studium und Beruf besser schreiben wollen

Ob in Artikeln, Büchern oder Berichten. Ob beim Aufsatz-, Hausarbeit-, Pressemitteilungenschreiben, beim Verfassen von Briefen und E-Mails oder beim Texten für das Internet. Verständlich schreiben ist Trumpf – in Schule, Studium und Beruf.

„Über Schwieriges einfach schreiben“ hilft Studenten, Wissenschaftlern und Menschen in vielen anderen Berufen zu lernen, wie man über komplizierte Sachverhalte verständlich schreibt. Das Buch enthält keine langen theoretischen Abhandlungen. Vielmehr veranschaulichen zahlreiche praktische Beispiele, wie man gut und klar formuliert. Dadurch gehen den Lesern die entsprechenden Regeln automatisch in Fleisch und Blut über und sie lernen ohne große Mühe, bessere Texte zu schreiben.

Dieses Buch ist Ihr privater kleiner Schreibkurs. Das Praktische daran: Sie können teilnehmen, wann und wo Sie wollen.

Über Schwieriges einfach schreiben ist übrigens auch eine gute Ergänzung zu meinen Ratgebern Gut und verständlich schreiben in zehn einfachen Schritten und Der Schreibcoach, denn es eignet sich bestens dazu, das dort Gelernte auf schmerzfreie Weise zu wiederholen und zu vertiefen.

Dienstag, 28. Mai 2013

Tyrannische Genauigkeit

Diesen Text wollte ich zunächst anders überschreiben, doch der Titel war ein wenig zu lang für einen Blogpost, deshalb hole ich ihn hier nach, denn er triftt besser, was ich sagen will:

The tyranny of precision - oder: Wer über Kompliziertes verständlich schreiben will, wandelt auf einem schmalen Grat

Vor einiger Zeit habe ich im taz-Blog einen interessanten Beitrag entdeckt: Jeder Satz falsch: Kein Bug, sondern Feature! Darin erklärt der Journalist Sebastian Heiser haarklein am Beispiel eines Artikels, warum praktisch alles, was darin steht, genau genommen falsch ist.

Doch er steht dazu, denn, so schreibt er: "Ich sehe ja meine Aufgabe und meine besondere Dienstleistung als Journalist gerade darin, alles so weit wie möglich zu vereinfachen, damit es verständlicher wird." Bei ihm ging es vor allem um juristische Sachverhalte.

Etwas ganz Ähnliches sprach Tyler DeWitt in seinem TED Talk an, in dem er sich damit beschäftigte, wie man Schülern Wissenschaft nahebringen kann. Er sah eine große Gefahr in der "tyranny of precision", also dem Bemühen so genannter echter, ernsthafter Wissenschaftler, bei jeder Aussage alle Ausnahmen und Eventualitäten zu berücksichtigen. S. Tyler DeWitt: Hey science teachers -- make it fun

Dieses Bemühen um Genauigkeit, und dazu gehört auch der präzise Fachjargon, macht Texte für Laien, und nicht nur für diese, unverständlich und langweilig. Was nicht im Sinne der Erfinder beziehungsweise Vermittler sein kann. Denn wenn Menschen die Informationen nicht verstehen oder nicht lesen (mögen), kann man sich das Niederschreiben auch sparen.

Kurz: Als Wissensvermittler oder auch als Experten müssen wir uns, abhängig von Thema und Zielgruppe, jedes Mal aufs Neue bemühen, auf einem schmalen Grat zu balancieren. Nur so kann es gelingen, Menschen für komplizierte Sachverhalte zu interessieren - ohne die Informationen zu sehr zu verfälschen und damit wertlos zu machen.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Self-Publishing: Jedes Detail ist wichtig

Ob Leser ahnen, wie viel Arbeit am Detail in die Gestaltung eines Buchs einfließt? Vermutlich nicht - und das ist gut so. Denn der Feinschliff soll ja gerade bewirken, dass die Leser sich ganz auf den Inhalt konzentrieren können, ohne sich über Dinge zu ärgern, die den Genuss schmälern.

Ich verfasse zurzeit, wie schon berichtet, einen neuen Schreibratgeber mit dem Titel Über Schwieriges einfach schreiben - An Beispiel lernen. Logischerweise enthält das Buch also viele Beispielsätze. Die ich vom übrigen Text absetzen möchte. Ich habe sie zunächst kursiv geschrieben. Wie in diesem Blogpost. In einem solchen Beitrag ist das mach- und lesbar, denke ich.

Wenn sich die Kursivierungen jedoch häufen und über viele Zeilen hinziehen, wie in einem Buch mit jeder Menge Beispielsätzen, wird das Lesen anstrengend. Das möchte ich vermeiden, denn: für die Käufer meiner Bücher nur das Beste.

Im Blog kennzeichne ich andere Textformen manchmal durch eine andere Farbe, s. hier. Bei PC-Bildschirmen ist das kein Problem. Mein Ratgeber soll jedoch als Kindle-EBook erscheinen. Teurere Geräte, iPads usw. können Farben darstellen. Aber der einfachste Kindle kann das nicht. Ich habe also heute Morgen herumgespielt, Farben ausprobiert und die Texte ins Kindle(mobi)-Format konvertiert und auf meinem einfachen Kindle und meinem iPod Probe gelesen.

Das Resultat: Dunkelblau setzt sich in der Graustufung des Kindles nicht genug ab, Himmelblau und Hellgrau unterscheiden sich gut vom schwarzen Text. Ich fand das Lesen jedoch recht anstrengend. Entschieden habe ich mich für ein dunkleres Grau, das sich auf beiden Geräten gut von Schwarz unterscheidet, aber (fast?) ebenso gut lesbar ist. Problem gelöst. Hoffe ich. Bin gespannt, wie die Leser das sehen. 

Das Gute an E-Books: Zur Not kann ich schnell nachbessern, wenn es Klagen gibt und/oder jemand eine bessere Idee hat.

Dienstag, 21. Mai 2013

Manchmal ist mehr mehr, die Zweite

Wenn man sehr viele Substantive verwendet (Fachleute sprechen von nominaler Verdichtung), führt das dazu, dass ein Text schwer lesbar wird. Ein Satz ist dann möglicherweise relativ kurz, es ist aber schwierig, den Sinn zu erfassen. Das habe ich bereits hier beschreiben und auch an einem Beispiel in einem vorherigen Post gezeigt.

Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an:

Das praktische Bezugsproblem des Workshops ist die Förderung der demokratischen Diskussion unter der normativen Annahme, dass demokratische Politik besser wird, wenn sie deliberativer wird.

Fangen wir mit der guten Nachricht an: Bei diesem Satz aus einer Veranstaltungsankündigung ist die Länge kein Problem. Subjekt und Prädikat sind nicht durch viele Wörter getrennt, sondern stehen dicht beieinander:

Das praktische Bezugsproblem des Workshops ist die Förderung der demokratischen Diskussion unter der normativen Annahme, dass demokratische Politik besser wird, wenn sie deliberativer wird.

Zwar setzt der Satz sich aus einem Hauptsatz und zwei Nebensätzen zusammen. Da der Aufbau aber nicht verschachtelt, sondern linear ist, ist das ebenfalls kein Problem. Was meine ich mit linear? Der Hauptsatz endet, ehe der erste Nebensatz beginnt, und auf diesen folgt dann der zweite Nebensatz.

Das praktische Bezugsproblem des Workshops ist die Förderung der demokratischen Diskussion unter der normativen Annahme, dass demokratische Politik besser wird, wenn sie deliberativer wird.

Trotzdem ist der Satz alles andere als leicht verständlich. Das liegt an den vielen langen Substantiven und an den Fremdwörtern. Außerdem mindern Wortwiederholungen die Lesbarkeit.

Schauen wir zunächst, ob wir etwas streichen können. Dabei sollten wir bedenken, dass es sich um eine Ankündigung handelt, die die Leser neugierig machen soll, und nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung.

Das praktische Bezugsproblem des Workshops ist die Förderung der demokratischen Diskussion unter der normativen Annahme, dass demokratische Politik besser wird, wenn sie deliberativer wird.

So sieht der verschlankte Satz aus:

Das Bezugsproblem des Workshops ist die Förderung der demokratischen Diskussion unter der Annahme, dass Politik besser wird, wenn sie deliberativer wird.

Besser, aber immer noch nicht auf Anhieb verständlich. Versuchen wir eine Übersetzung:

Der Workshop beschäftigt sich mit der Frage, wie sich demokratische Diskussionen fördern lassen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass Politik besser wird, wenn man die Bürger in Entscheidungen mit* einbezieht.

Das Problem bei solchen Übersetzungen: Es ist nicht immer klar, was die Autoren gemeint haben. Zum Beispiel mit Bezugsproblem und mit deliberativ. Das bedeutet für uns als Schreibende wiederum, dass wir uns so einfach wie möglich ausdrücken und auf Formeln (Bezugsproblem) und unübliche Fremdwörter (deliberativ) verzichten sollten. Denn sonst besteht die Gefahr, dass Leser etwas falsch verstehen.

Hier noch einmal die beiden Versionen im Vergleich:

Das praktische Bezugsproblem des Workshops ist die Förderung der demokratischen Diskussion unter der normativen Annahme, dass demokratische Politik besser wird, wenn sie deliberativer wird. (24 Wörter)

Der Workshop beschäftigt sich mit der Frage, wie sich demokratische Diskussionen fördern lassen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass Politik besser wird, wenn man die Bürger in Entscheidungen mit einbezieht. (30 Wörter)

* Streng genommen ist dieses mit überflüssig. Viele Menschen sind jedoch an die Formulierung mit einbeziehen so gewöhnt, dass es sie stören und den Lesefluss unterbrechen würde, wenn ich auf dieses Wörtchen verzichtet hätte.

Freitag, 17. Mai 2013

Wie Autoren arbeiten ...

... in diesem Fall ich ;-) Zu besichtigen in meinem Post bei Google+. So entstanden zum Beispiel Kapitel meines neuen Ratgebers Über Schwieriges einfach schreiben. Ich bin zuversichtlich, dass das Büchlein noch im Mai fertig wird.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Manchmal ist mehr mehr

In der Regel gilt beim Schreiben: Kürzer ist besser. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie dieser Anfang einer wissenschaftlichen Veröffentlichung zeigt:

Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, das Traumapotential einer Mammakarzinom-Erkrankung zu untersuchen, Prävalenz und Ausgestaltung posttraumatischer Symptomatik im Krankheitsverlauf zu eruieren und den Zusammenhang zu Ängstlichkeit, Depressivität und Lebensqualität aufzuzeigen.

Was auffällt sind die vielen Substantive, einige von ihnen Fremdwörter, die in einem einzigen, langen Satz aneinandergereiht sind. Das macht es dem Leser schwer, denn Sinn zu erfassen.

Streichen wir zunächst überflüssige Wörter bzw. verkürzen wir unnötig lange

Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, das Traumapotential einer Mammakarzinom-Erkrankung zu untersuchen, Prävalenz und Ausgestaltung posttraumatischer Symptomatik im Krankheitsverlauf zu eruieren und den Zusammenhang zu Ängstlichkeit, Depressivität und Lebensqualität aufzuzeigen. 

Nun unterteilen wir den langen Satz und kümmern uns um Substantive und schwierige Wörter:

Diese Studie hatte mehrere Ziele: Sie sollte untersuchen, ob und in welchem Ausmaß ein Mammakarzinom sich traumatisch auswirken kann. Des Weiteren sollte sie die Prävalenz und die Art der posttraumatischen Symptome im Verlauf der Krankheit ermitteln sowie ob es zwischen diesen Symptomen und Ängsten, Depressionen und der Lebensqualität einen Zusammenhang gibt.

Exkurs: Zusammenhänge gibt es normalerweise zwischen, nicht zu. Es geht aus dem ursprünglichen Satz nicht klar hervor, was im letzten Teil gemeint ist: der Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Ängstlichkeit usw. oder zwischen posttraumatischen Symptomen und Ängstlichkeit usw. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Noch besser lesbar wäre diese Passage, wenn es die entsprechenden Richtlinien den Autoren erlauben würden, in der Ich- bzw. Wir-Form zu schreiben. Also:

Unsere Studie hatte mehrere Ziele: Wir wollten untersuchen …

Da es sich um den ersten Satz eines Artikels handelt, sollte man besonders einfach anfangen, um die Leser nicht abzuschrecken. Ein leicht verständlicher Satz wie dieser kann Interesse wecken:

Brustkrebs kann Patientinnen seelisch stark belasten. Unsere Studie …

Wendet der Text sich speziell an Fachleute, so müssen die Autoren Begriffe wie Prävalenz verwenden. Wäre er für einen größeren Leserkreis gedacht, würde ich ihn noch weiter überarbeiten. Und zwar so:

Brustkrebs kann Patientinnen seelisch stark belasten. Wir wollten untersuchen, wie und in welchem Ausmaß sich diese Krankheit traumatisch auswirken kann. Außerdem wollten wir wissen, wie häufig so genannte posttraumatischen Symptome sind und wie sie sich äußern, und zwar im gesamten Verlauf der Brustkrebs-Erkrankung. Schließlich interessierte uns: Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen seelischen Belastungen und Ängsten und Depressionen? Und inwieweit beeinflusst dies alles die Lebensqualität der Betroffenen? (67 Wörter, 518 Zeichen)

Hier in der Gegenüberstellung noch einmal der Satz, wie er zu Anfang aussah: 

Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, das Traumapotential einer Mammakarzinom-Erkrankung zu untersuchen, Prävalenz und Ausgestaltung posttraumatischer Symptomatik im Krankheitsverlauf zu eruieren und den Zusammenhang zu Ängstlichkeit, Depressivität und Lebensqualität aufzuzeigen. (30 Wörter, 281 Zeichen)

Fazit: Manchmal muss man mehr Worte machen, um den Lesern Zusammenhänge zu verdeutlichen. Denn wenn Sie etwas sehr gedrängt und mit vielen Substantiven formulieren, leidet darunter möglicherweise die Klarheit.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Krimi schreiben - ein Experiment

Vor Kurzen habe ich die Plattform Wattpad für mich entdeckt. Dort können Autoren Geschichten veröffentlichen, Leser diese Geschichten lesen und alle miteinander kommunizieren.

Jetzt habe ich dort ein Experiment gestartet: Nach und nach möchte ich auf Wattpad einen ganzen Krimi schreiben bzw. die frisch geschriebenen Kapitel dort posten. Mehr über dieses Projekt erfahren Sie in dem Post Rettende Engel – wie mein neuer Krimi entsteht in meinem Krimiblog und im Vorwort meines Krimis RETTENDE ENGEL bei Wattpad.

Ich bin selbst gespannt, wie das Schreiben und sofortige Veröffentlichen funktioniert und was ich dabei lerne. Ich merke schon jetzt, dass ich manchmal gerne zu einem früheren Kapitel zurückgehen und dort etwas ändern oder ergänzen möchte. Wahrscheinlich werde ich das auch das eine oder andere Mal tun. Schließlich heißt es: writing is rewriting ;-)

Ich bin gespannt, ob es Leserreaktionen geben wird und ob und wie diese mich beim Schreiben beeinflussen.

Besuchen Sie mich doch einmal bei Wattpad. Mich interessiert nämlich brennend, ob Wattpad auch in Deutschland auf Interesse stößt und was Leser von meinem Projekt halten.


Montag, 6. Mai 2013

Auch immer mehr Juristen setzen auf klare Sprache

Soeben, naja, vor ein paar Tagen, erreichte mich diese Pressemitteilung: Hochdeutsch, schlechtes Deutsch, Juristendeutsch? Der Anlass: Der traditionelle „Akademische Tag der Wismarer Wirtschaftsrechtsstudierenden in Berlin“ widmet sich dieses Jahr der „Sprachkompetenz“. Und darum geht's:
Die juristische Ausbildung muss den Studierenden nicht nur Kenntnisse des Rechts vermitteln sondern auch den Umgang mit juristischer Fachsprachlichkeit. Klar und logisch im Aufbau, präzise in der Sprache und bei all dem für den Adressaten verständlich – so sollen Juristen formulieren. Der Adressat ist dabei vorrangig „Otto Normalverbraucher“. Dieser soll den Vertragsentwurf, den Schriftsatz oder den Gesetzestext verstehen können – und nicht nur die ebenfalls juristisch vorgebildete Kollegin. Die Realität sieht leider anders aus: Schachtelsätze, doppelte Verneinungen, unnötige Fremdwörter sowie eine besondere Vorliebe für Substantivierungen sind oft Merkmale juristischer Texte.
Dass man das Problem erkannt hat und angehen will, lässt mein Herz höher schlagen, bemühe ich mich doch schon seit Jahren darum zu zeigen, wie man besser und verständlicher schreiben kann (u. a. in diesem Blog). Und nun tut sich offenbar nicht nur etwas in den Naturwissenschaften und der Medizin - Bereichen mit denen ich mich hauptsächlich beschäftige -, sondern auch bei den Juristen:
Wie Dr. Preedy berichtet, betreibt derzeit die Top-Liga der-Unternehmen einigen Aufwand, damit deren Verträge Unternehmensgeist, Regelungsziel und Verständlichkeit sprachlich vereinen. „Vor dem Hintergrund frage ich mich“, so Prof. Nord, „ob ‘Sprachkompetenz’ nicht schon viel länger reguläres Ausbildungsfach in der Juristenausbildung hätte sein sollen“.
In Wismar will man jetzt offenbar etwas tun. Und das ist gut so ;-)

Ich habe übrigens  für alle, die wenig Zeit haben, einen Workshop in Buchform verfasst, Sie finden ihn als gedrucktes Buch:


als günstigeres EBook:
 
 
sowie als E-Book auch bei Kobo, iTunes/Apple und für den Tolino.