Donnerstag, 27. Februar 2014

Edna O'Brien hat gesagt ...

Zu der Vorstellung, dass man Bücherschreiben nebenbei betreiben kann, hier mal ein bisschen, dann eine Woche später wieder ein bisschen:
You can't work on a book one day a week. It's like a toddler off out into the street: you can't find it again.
Überhaupt ist Schreiben kein Kinderspiel. In demselben Interview sagt O'Brien:
It's very hard to get the truth in it, and the sheen on it.
Nun, sie kann offensichtlich mit Sprache umgehen.

Ihre Bücher auf Deutsch:


und auf Englisch:


Sonntag, 23. Februar 2014

Ein Satz -- drei Probleme

Dieser Post erscheint in meiner Reihe "Über Schwieriges einfach schreiben". Nun behandelt der folgende Satz zwar kein schwieriges Thema, er weist jedoch Probleme auf, die ihn schwer verständlich machen. Und dieselben Probleme finde ich auch immer wieder in Texten von Experten, die über komplizierte Zusammenhänge schreiben. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, ihn hier zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu machen.

Schauen wir uns den Beispielsatz einmal an:

Seit Yvonne Catterfelds medienwirksamem Ausscheiden aus der Fernseh-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten unter paralleler Verlautbarung ihrer Konzentration auf die Gesangskarriere konnte die während ihres knapp zweistündigen Gastspiels stets etwas spröde wirkende Erfurterin mit der fundierten Ausbildung an der Leipziger Musikhochschule ihre Bekanntheit erstaunlicherweise noch steigern. 

Dieser Satz ist so verknotet und dicht formuliert, dass es kaum möglich ist, ihn auf Anhieb zu verstehen.

Beginnen wir mit der Analyse.

1. ist dieser Satz einfach sehr, sehr lang. Er besteht aus 45 Wörtern und 342 Zeichen (ohne Leerzeichen). In seiner Stilfibel bezeichnet Ludwig Reiners Sätze ab 31 Wörtern als sehr schwer verständlich. Eine schlimmere Kategorie kennt er nicht.

Außerdem -- und das ist sozusagen ein Unterproblem, das man in vielen langen Sätzen findet -- sind die Abstände zwischen Artikel und Substantiv und den beiden Teilen des Prädikats viel zu groß.

Seit Yvonne Catterfelds medienwirksamem Ausscheiden aus der Fernseh-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten unter paralleler Verlautbarung ihrer Konzentration auf die Gesangskarriere konnte die während ihres knapp zweistündigen Gastspiels stets etwas spröde wirkende Erfurterin mit der fundierten Ausbildung an der Leipziger Musikhochschule ihre Bekanntheit erstaunlicherweise noch steigern.

So große Spannen kann unser Gedächtnis nur mit großer Mühe überbrücken und sie sind der Hauptgrund dafür, dass man manche Sätze mehrmals lesen muss, bevor man sie versteht.

2. wimmelt besonders der erste Teil des Satzes von sperrigen Substantiven.

Seit Yvonne Catterfelds medienwirksamem Ausscheiden aus der Fernseh-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten unter paralleler Verlautbarung ihrer Konzentration auf die Gesangskarriere konnte die während ihres knapp zweistündigen Gastspiels stets etwas spröde wirkende Erfurterin mit der fundierten Ausbildung an der Leipziger Musikhochschule ihre Bekanntheit erstaunlicherweise noch steigern.

In drei der (statischen) Substantive verbergen sich (dynamische) Verben, die man herausholen sollte.

3. entspricht die Reihenfolge des Satzes nicht der zeitlichen Abfolge der Ereignisse. Das erschwert das Verständnis und macht den Lesern unnötig Arbeit.

Seit Yvonne Catterfelds medienwirksamem Ausscheiden aus der Fernseh-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten unter paralleler Verlautbarung ihrer Konzentration auf die Gesangskarriere konnte die während ihres knapp zweistündigen Gastspiels stets etwas spröde wirkende Erfurterin mit der fundierten Ausbildung an der Leipziger Musikhochschule ihre Bekanntheit erstaunlicherweise noch steigern.

Reihenfolge: 1. 2. 3. 4.

Beginnen wir mit dem Umschreiben. Dabei ordnen wir die einzelnen Sätze entsprechend der Chronologie der Ereignisse an.

mit der fundierten Ausbildung an der Leipziger Musikhochschule

Daraus wird

Yvonne Catterfeld erhielt in ihrer Jugend eine fundierte Ausbildung an der Leipziger Musikhochschule.

Ergänzt habe ich in ihrer Jugend. Den Namen habe ich aus dem zweiten Teil vorgezogen.

Im zweiten Satz (bestehend aus Teil zwei und drei) wandele ich die betreffenden drei Substantive in Verben um.

Seit Yvonne Catterfelds medienwirksamem Ausscheiden aus der Fernseh-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten unter paralleler Verlautbarung ihrer Konzentration auf die Gesangskarriere ...  konnte ihre Bekanntheit erstaunlicherweise noch steigern. 

Seit sie medienwirksam aus der Fernseh-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten ausschied und gleichzeitig verkündete, sich auf ihre Gesangskarriere konzentrieren zu wollen, konnte sie ihre Bekanntheit erstaunlicherweise noch steigern. 

Aus verlauten lassen habe ich verkünden gemacht und aus parallel das einfachere deutsche Wort gleichzeitig.

Schließlich habe ich die Erfurterin in den letzten Satz verlegt und dabei das Substantiv unmittelbar auf den Artikel folgen lassen, so, wie es sich gehört.

die während ihres knapp zweistündigen Gastspiels stets etwas spröde wirkende Erfurterin 

Während ihres knapp zweistündigen Gastspiels wirkte die Erfurterin allerdings etwas spröde.

Ergänzt habe ich im neu entstandenen Satz das Wort allerdings.

Hier noch einmal der direkte Vergleich.

Vorher:

Seit Yvonne Catterfelds medienwirksamem Ausscheiden aus der Fernseh-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten unter paralleler Verlautbarung ihrer Konzentration auf die Gesangskarriere konnte die während ihres knapp zweistündigen Gastspiels stets etwas spröde wirkende Erfurterin mit der fundierten Ausbildung an der Leipziger Musikhochschule ihre Bekanntheit erstaunlicherweise noch steigern. (1 Satz, 45 Wörtern, 342 Zeichen)

Nachher:

Yvonne Catterfeld erhielt in ihrer Jugend eine fundierte Ausbildung an der Leipziger Musikhochschule. Seit sie medienwirksam aus der Fernseh-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten ausschied und gleichzeitig verkündete, sich auf ihre Gesangskarriere konzentrieren zu wollen, konnte sie ihre Bekanntheit erstaunlicherweise noch steigern. Während ihres knapp zweistündigen Gastspiels wirkte die Erfurterin allerdings etwas spröde. (3 Sätze, 52 Wörter, 372 Zeichen)

Wir lernen aus diesem Beispiel zweierlei.

Erstens: Manchmal ist mehr mehr. Das heißt, manchmal müssen wir mehr Worte machen, um uns verständlich auszudrücken. Zum Beispiel, wenn wir statt Substantiven Verben verwenden möchten.

Zweitens: Oft hapert es bei einem Satz nicht nur an einer Sache. Sprich: komplizierte Sätze lassen sich nicht auf einen Schlag umschreiben. Hilfreich ist es in solchen Fällen, die Probleme vorher zu analysieren.

Und schließlich möchte ich darauf hinweisen, dass wir es beim Schreiben nicht mit Naturgesetzen zu tun haben. Das heißt, wenn wir etwas umschreiben und verbessern, gibt es normalerweise nicht die eine richtige Lösung, sondern es sind mehrere Varianten denkbar. Je nach Geschmack, Zielgruppe ...

Wer noch mehr darüber lernen möchte, wie man übersichtliche Sätze baut, wird zum Beispieln in diesem Post fündig:

Haben Ihre Texte Bandwurmsätze?

Über die leidigen Substantivierungen habe ich zum Beispiel hier geschrieben:

Kampf der nominalen Verdichtung

Wer noch mehr über gutes und verständliches Schreiben lernen möchte, dem empfehle ich meine Schreibratgeber





Mittwoch, 19. Februar 2014

Akiva Goldsman sagt ...

Der Drehbuchautor Akiva Goldsman sagte kürzlich in einem Interview:
... writing is a muscle. It’s like a sit-up. You just keep doing them, and you get stronger and better. There are a thousand bad paces behind the first good one. You have to keep writing.
Oder in biederem Deutsch: Übung macht den Meister. Auch beim Schreiben.


Mittwoch, 12. Februar 2014

Die Schreibangst überwinden: Spielen Sie!

Hindern Befürchtungen Sie am Schreiben oder macht es einfach keinen Spaß mehr?

Vielleicht müssen Sie nur Ihre Spielfreude entdecken oder zurückgewinnen.

Diese Idee kam mir, als ich an einen Artikel dachte, den ich für Psychologie Heute geschrieben habe. Viele der kreativsten Geister zeichnen sich dadurch aus, dass sie spielerisch an ihre Arbeit herangehen.

Albert Einstein sagte: "Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers."

Die Designerin Jessica Walsh schreibt: "... the more fun and the more play that went into the ideas or process of creation, the better people seem to respond to the end result."

Und der Filmproduzent und Drehbuchautor Stephen Joseph Cannell sagte: "I get up every morning, and I’m not going to work, I’m going to play. I get to play cops and robbers."

(Ergänzung vom 12.8.2016: Dazu passt die folgende Passage aus einem Artikel über James Patterson
He hasn’t given much thought to slowing down or taking more than a day off. “I don’t work for a living. I play. Why would I stop playing?”)
Spielen ist nämlich kein Verhalten, sondern eine Haltung. Sie können dieselbe Tätigkeit spielerisch, aber auch unter Leistungs- und Zeitdruck oder voller Unlust ausführen.

Man kann das Gärtnern an der frischen Luft genießen, den Duft der Blumen wahrnehmen und sich über ein Eichhörnchen amüsieren, das vorbeikommt. Oder man kann gehetzt Unkraut rausreißen, damit die Nachbarn nichts zu meckern haben.

Sie können eine Szene Ihres neuen Romans schreiben, umgeben von dunklen Angstwolken, denn wer weiß, ob das Buch den Lesern gefallen wird. Oder Sie können Ihren Spaß haben, während Sie sich ausmalen, wie Ihre Heldin gewitzt ihre Verfolger austrickst.

Was eine spielerische Haltung auszeichnet, sind im Wesentlichem drei Dinge:

- der Spaß an der Freude,

- die Konzentration, mit der man bei der Sache ist,

- und das Experimentieren ohne Angst zu versagen.

Anstrengend darf Spiel dagegen durchaus sein.

Beobachten Sie einmal spielende Kinder, wie sie Spaß haben, ganz bei der Sache sind und manchmal etwas wieder und wieder ausprobieren, bis es klappt. Wenn etwas nicht funktioniert, ist ihnen das weder peinlich, noch bereitet es ihnen schlaflose Nächte. Im Gegenteil, dass etwas schiefgeht, gehört zum Spiel. Man kann es ja immer wieder neu versuchen.

Wenn es also beim Schreiben hakt, seien Sie verspielt.

Schreiben Sie in einem Café. So machen berühmte Schriftsteller das schließlich.

Haben Sie Spaß, wenn Sie eine neue Szene Ihres Romans entwerfen. Malen Sie sich alles bis in Kleinste aus, inszenieren Sie das Ganze wie in einem Film, treiben Sie die Spannung, die Komik, die Rührung auf die Spitze.

Experimentieren Sie mit besonders anschaulichen oder poetischen Formulierungen.

Kurz: Erinnern Sie sich, was Ihnen beim Schreiben besonders viel Freude bereitet und tun Sie es. Wie ein Kind, ganz vertieft -- und ohne Angst vorm Scheitern.

Noch mehr Methoden zum Überwinden von Schreibblockaden finden Sie hier:




Das dritte Buch, den Sammelband, gibt es auch als Printausgabe.

Der Kauf eines solchen Büchleins ist übrigens eine prima Gelegenheit, Blog und Bloggerin finanziell zu unterstützen ;-)

Montag, 3. Februar 2014

Die neue Federwelt widmet sich dem Thema "Kurzgeschichten schreiben"

Gleich mehrere Artikel in der aktuellen Ausgabe der Autorenzeitschrift Federwelt drehen sich um Kurzgeschichten:
  • Kurzgeschichten schreiben lohnt sich! -- verkündet die Lektorin Kerstin Brömer und erklärt, warum.
  • In der "Textküche" überarbeitet Andrea Reichart die Kurzgeschichte Mogelpackung Frau.
  • Kerstin Brömer beantwortet die Frage: Was ist eigentlich eine Kurzgeschichte?
  • Und Anke Gasch, die Chefredakteurin der Federwelt, hat eine Zutatenliste für Kurzgeschichten zusammengestellt.
Darüber hinaus enthält das Heft viele weitere Beiträge über die unterschiedlichsten Aspekte des Autorendaseins wie Pseudonyme, Social Media, E-Books und AgentInnen.

Was mich besonders freut: Anke Gasch zitiert in ihrem Artikel die ersten Sätze meines Kurzkrimis Showdown in Wohlgelegen (enthalten in der Sammlung A bis Z-Ermittlungen) und in den Linktipps zum Beitrag empfiehlt sie meinen Ratgeber Kurzgeschichten schreiben - Tipps und Anregungen.

Auch in meinem Blog können Sie übrigens so einiges über das Schreiben von Kurzgeschichten lernen. Ein guter Ausgangspunkt ist der Post Kurzgeschichten schreiben. Noch mehr Informationen finden Sie in der Rubrik Kurzgeschichten.