Samstag, 31. Mai 2014

Margaret Drabble sagt ...

... in diesem Interview im Guardian auf die Frage

What advice would you give a young writer?
Stick at it. It's very important to finish a novel rather than begin lots of new ones. You learn a lot just from getting to the end.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Einige Gedanken zur Rechtschreibung

Vor Kurzem wurde in einer Autorengruppe bei Facebook, zu der ich gehöre, eine Rechtschreibfrage diskutiert. Ich glaube es ging darum, ob man rarmachen getrennt oder zusammen schreibt. Und natürlich sprach man darüber, was der Duden dazu sagt. Ich glaube, der Fragestellerin gefiel dessen Schreibweise nicht.

Ich habe das nicht weiter verfolgt. Aber mir ist aus diesem Anlass wieder bewusst geworden, dass ich bei meinem eigenen Schreiben die Dinge inzwischen entspannter sehe. Wenn ich als Journalistin Texte für Auftraggeber verfasse, bemühe ich mich, sie "dudenfest" zu machen. Schreibe ich aber auf eigene Verantwortung, wie hier oder in meinen Krimis, die ich ohne Verlag veröffentliche, dann bin ich großzügiger, wenn es darum geht, was erlaubt ist und was nicht.

Das hat auch etwas damit zu tun, dass ich mich vor einiger Zeit für einen meiner Workshops mit den Regeln im Englischen beschäftigt habe. Und dabei entdeckte, dass diese viel individueller und fließender sind als diejenigen in unserer Sprache. Schreibt man die Wörter in der Überschrift eines Artikels groß? Beziehungsweise welche schreibt man groß und welche nicht? Das hängt von den Vorgaben der einzelnen Zeitschrift ab. Manchmal heißt es, dieses oder jenes wird im britischen Englisch so, im amerikanischen jedoch so gehandhabt. Meist jedoch mit der Einschränkung tendenziell.

Zurück zu meinen Texten. In meinem Thriller Ohne Skrupel habe ich zum Beispiel nicht das W bei russischen Begriffen verwendet, sondern das V. Warum? Letztlich weil mir Vodka und Vlad besser gefallen als Wodka und Wlad. Und was ist passiert?

Hat sich mein Text aufgelöst und ist verschwunden?

Nein, ich habe ja kein Naturgesetz ignoriert.

Kam die Rechtschreibpolizei und hat mich verhaftet?

Nein, denn ich habe auch gegen keine gesetzliche Bestimmung der Bundesrepublik Deutschland verstoßen.

Bei den Regeln des Dudens handelt es sich lediglich um Konventionen, auf die sich irgendwelche Gremien geeinigt haben. Manches etwa entstand durch die letzte Rechtschreibreform. Die FAZ folgte den Regeln zunächst nicht, ihre Texte waren trotzdem lesbar. (Nur für manche Journalisten wurde es vielleicht schwieriger zu wissen, wo sie was wie schreiben sollten.)

Wie außerdem jeder wissen dürfte, sind eine Menge Vorgaben des Duden alles andere als konsequent und logisch. Mein Lieblingsbeispiel: Wir sollen schreiben die beiden, der Einzelne, die meisten/Meisten. Warum? Keine Ahnung. Auch beim Duden versteht man jedoch, dass es sich bei Schreibweisen eben nicht um Naturgesetze handelt, und so sind in vielen Fällen verschiedene "erlaubt".

Meine eigene neue Gelassenheit bedeutet nun nicht, dass meine Rechtschreibung wie Kraut und Rüben durcheinandergeht. Habe ich mich einmal für eine Schreibweise in einem Text entschieden, verwende ich sie durchgehend -- oder versuche es zumindest. Denn ein Hin und Her könnte Leser irritieren oder sogar ärgern. Und das will ich auf keinen Fall, denn die Leser sollen sich auf die Inhalte konzentrieren und am besten gar nicht wahrnehmen, wie ich diese niedergeschrieben habe.

Meine Rechtschreibregel für Texte, die ausschließlich ich selbst verantworte, lautet deshalb: Erlaubt ist, was mir und (mutmaßlich) der Mehrzahl meiner Leser gefällt -- oder Letztere zumindest nicht übermäßig stört.

Montag, 19. Mai 2014

Sagen Sie es, wie es ist

Eine spezielle Form von überflüssigen Wörtern sind lange Einleitungen, Drumrumgerede in der Fachsprache ;-)

Hier ein Beispiel:

Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass dieses Ergebnis nicht signifikant war.

Sie machen es Ihren Lesern leichter, wenn Sie auf solche Einleitungen verzichten und sofort zur Sache kommen.

Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass dieses Ergebnis nicht signifikant war.

Daraus wird

Dieses Ergebnis war allerdings nicht signifikant. 

Gewundene Formulierungen mit „es …, dass …“ kann man oft streichen. „Es ist bekannt, dass …“ „Es konnte gezeigt werden, dass …“ Gewöhnlich reicht es, wenn man die Erkenntnis, das Ergebnis nennt.

Solche Floskeln sind zum Beispiel in der Wissenschaft beliebt, blähen einen Satz jedoch nur unnötig auf und schwächen die eigentliche Botschaft ab. Dasselbe gilt übrigens im Englischen. 

Denken Sie dran:

Hauptsachen gehören in den Hauptsatz. 

Vorher:

Es lässt sich nicht leugnen (dies ist der Hauptsatz), dass der deutsche Meister dieses Spiel verdient gewonnen hat (dies der Nebensatz)

Nachher:

Der deutsche Meister hat dieses Spiel verdient gewonnen. (Hauptsatz)


Weitere Posts zum Thema überflüssige Wörter finden Sie hier

Streichen, streichen, streichen!

und hier

Leere Kalorien: Füllwörter.


Noch mehr Tipps finden Sie in meinem Buch:


Grundregeln des verständlichen Schreibens können Sie mit meinem Workshop in Buchform lernen. Es gibt ihn als gedrucktes Buch:


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Samstag, 10. Mai 2014

David McCullough sagt ...

David McCullough ist ein amerikanischer Non-Fiction-Autor und u. a. zweimaliger Pulitzer-Preisträger.

In einem Interview sagte er:
Writing is thinking. To write well is to think clearly. That's why it's so hard.
Friedrich Nietzsche sah das ähnlich, s. dieses Zitat.

Als Kontrast sozusagen, nämlich dazu, was geschieht, wenn man nicht klar formuliert, s. mein voriger Post.

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Dienstag, 6. Mai 2014

Wissenschaft: Jargonreiche Sprache öffnet Betrug Tür und Tor

Vor Kurzem las ich im Ottawa Citizen einen bemerkenswerten Artikel. (Was wären wir ohne das Internet?!) Der Titel: Blinded by scientific gobbledygook. Worum es in dem Beitrag geht, erklärt der Untertitel: Bad chemistry: How fake research journals are scamming the science community.

Was ich im Hinblick auf die Themen meines Blogs -- gutes und verständliches Schreiben -- interessant finde, ist folgender Punkt, ein Nebenschauplatz, aber ein wichtiger: Es fällt so leicht, gefakete wissenschaftliche Paper in zwielichtigen Journals zu veröffentlichen, weil auch echte, seriöse Artikel oft in einer solch undurchdringlichen Sprache geschrieben sind, dass sich ihr Sinn kaum erfassen lässt.

Und so nimmt man vieles für bare Münze, wenn es nur schwierig genug formuliert ist. Denn ob es sich um hochkomplexe Forschung, tiefsinnige Gedanken oder aber Wortmüll handelt, lässt sich nicht beurteilen, weil man es nicht versteht.

Tom Spears, der Autor des Artikels, zitiert Mark McDayter, einen Englischprofessor von der University of Western Ontario, so:
he says academics write such dense jargon in such specialized fields that almost no one can understand them. This makes their research hard to evaluate.
“The other problem is that scholarly writing is just dreadful and has become more and more dreadful over the past 10 years or so,” he points out. 
Was bedeutet das für ehrbare Wissenschaftler? Sie sollten sich bemühen, möglichst klar und einfach zu schreiben,
  • damit möglichst viele Menschen verstehen können, was sie so Wichtiges herausgefunden haben (Duh! möchte man auf Neudeutsch sagen),
  • damit sie leichter mit Kollegen aus anderen Forschungsbereichen (interdisziplinär lautet das Stichwort) zusammenarbeiten können, s. Wissenschaftler verzichtet auf Fachchinesisch!,
  • und damit sich Betrüger nicht mehr mit einem Wust von Fremdwörtern und gewundenen Sätzen tarnen können, sondern diese Ausdrucksweise sie vielmehr entlarvt.
Wie man es schafft, gut und verständlich zu schreiben, darüber habe ich hier immer wieder gebloggt. In Rubriken wie Grundlagen und Über Schwieriges einfach schreiben. Weitere sachdienliche Hinweise enthalten einige meiner Schreibratgeber ;-)

(Ergänzung vom 24.2.2016) Passt zum Thema: Academic Drivel Report. Lesenswert -- aber auch erschreckend!

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