Sonntag, 4. Januar 2015

Trennen Sie die drei Schreibphasen

Im Moment denke ich darüber nach, wie ich mein Schreiben beschleunigen kann, damit die Entstehung meines zweiten Thrillers nicht gar so langsam und zähflüssig vorangeht. Ja, ich schaffe es inzwischen dank einiger Tricks, regelmäßiger zu schreiben und zügiger damit anzufangen. Zum Beispiel, indem ich die beiden Schreibphasen trenne und das Schreiben zur Gewohnheit mache.

Und ja: Kleine Schritte führen schneller ans Ziel als gar keine. Doch wenn man an einem Opus von mehr als 500 Seiten sitzt, sind kleine Schritte nicht genug. Jedenfalls nicht, wenn Fiction-Schreiben irgenwann zum Hauptberuf werden soll.

Jetzt halfen mir zwei erfahrenere Kolleginnen mit etwas, das sie sagten, auf die Sprünge. Es handelt sich um Autorinnen von Jugendbüchern oder auf Neudeutsch YA-Romanen. Sie schreiben ganze Serien von Geschichten und gewöhnlich mehrere Romane pro Jahr.

In einem Interview sagte Sara Shepard (Pretty Little Liars, The Lying Game u. a.):
I am a big outliner. For my adult book, The Visibles, I did not outline, and it took me two years to write because I just didn't outline and I had no path.
Und  Cecily von Ziegesar (Gossip Girl, It Girl) formulierte es in einem Interview so:
... the worst thing you can do is to just sit there in front of your computer trying to force the book out. It's just not going to happen. You have to be inspired. I feel like you shouldn't even sit down to write until you have that kind of "Oh, yes. Yes, I got it. I got to get this down." feeling, because just sitting there and plotting away is just making yourself do something. It's not going to be good. It's not going to be worth keeping.
Die entscheidenden Sätze habe ich fett hervorgehoben.
 
Ich verstehe das so: Es hat keinen Zweck sich zu zwingen, irgendetwas zu schreiben, solange man nicht weiß, wer in der Geschichte welche Rolle spielt und was wann passiert. Sicher gibt es auch Autoren, die "planlos" lange Romane verfassen können -- Stephen King gehört wohl dazu. Für mich ist das jedoch sehr schwierig, denn ich schreibe Krimis und Thriller, bei denen die Struktur extrem wichtig ist. Alles muss logisch zusammenhängen. Ein Thriller erfordert zusätzlich Vielschichtigkeit und jede Menge Überraschungen. Im Rückblick müssen aber alle Ereignisse und alles, was irgendjemand irgendwann gesagt hat, trotzdem ohne Widersprüche zusammenpassen.

Kein Wunder, dass ich zur Zeit nicht recht vorwärtskomme, denn ich weiß noch nicht genau genug, was in der Mitte des Buchs geschehen soll, wer was wann weiß, und wie ich meine Hauptfiguren und die Leser vorübergehend so in die Irre führen kann, dass die Handlung trotzdem spannend und in die richtige Richtung voranschreitet.

Dabei sollte ich es besser wissen, denn die ersten Fassungen von zwei, zugegeben kurzen, Krimis habe ich bei Wattpad zügig heruntergeschrieben -- weil ich bereits vorher eine Outline erarbeitet hatte. Ich spreche von meinen beiden Kaha-Fischer-Krimis Rettende Engel und Lisa, Ben und Tim. War das nicht langweilig? Überhaupt nicht. Denn mir kamen tatsächlich während des Schreibens der ersten Fassung noch einige gute, auch für mich überraschende Ideen. Diese konnte ich aber mühelos in die bestehende Struktur der Geschichten einpassen.

Ich sollte es auch deshalb besser wissen, weil ich als Journalistin bei meinen Artikeln schon längst so vorgehe: Stoff sammeln und ordnen, die erste Fassung schreiben und diese dann so lange überarbeiten, bis ich mit dem Text zufrieden bin.

Hier also die drei Schritte, die man meines Erachtens trennen sollte, um bei größeren Projekten zügig voranzukommen:
  1. Ideen/Material sammeln und ordnen. Das Ergebnis: eine Gliederung oder Outline.
  2. Die Geschichte/den Text entlang dieses Gerüsts Schritt für Schritt aufschreiben, ohne zu früheren Passagen zurückzukehren. Wenn Ihnen etwas einfällt, das Sie weiter vorn ändern oder berücksichtigen sollten, machen Sie sich eine entsprechende Notiz für die nächste, die dritte Phase. Das Ergebnis: die erste Fassung.
  3. Den Text überarbeiten: also beispielsweise Lücken füllen, Logik, wo sie fehlt, herstellen, Sprache glätten, Tippfehler beseitigen. Das Ergebnis: der fertige Roman oder Sachtext.
Über die Wichtigkeit des Plottens schreibt auch Rachel Aaron in ihrem Buch 2k to 10k: Writing Faster, Writing Better, and Writing More of What You Love (English Edition)und in einem Blogpost. Ich habe beides gelesen. Aber durch nichts lernt man so gut, wie durch Erfahrung. Und das geht nur, wenn die Zeit reif ist beziehungsweise wenn man in einer Situation steckt, in der man es selbst erlebt. Seufz ;-) Jetzt hatte ich also meinen Aha-Moment.

Weitere Tipps enthält mein Büchlein