Donnerstag, 23. April 2015

Ärgernis Buchpreisbindung

Wie Matthias Matting in seinem Blog berichtet, stellte das Bundeswirtschaftsministeriums heute einen Gesetzentwurf vor, der die Preisbindung auch für eBooks ausdrücklich verankern soll.

Ein guter Anlass, meine Meinung als Autorin zur Buchpreisbindung allgemein zu äußern. Was folgt, ist ein leicht abgeändertes Kapitel aus meinem Buch Erfahrungen einer Indie-Autorin.

Was mir zum Thema Buchpreisbndung zuerst einfällt: Offenbar werden auch in den vielen Ländern ohne Buchpreisbindung trotz allem Bücher geschrieben und verkauft (das ist das, was mich als Leserin und Autorin interessiert). Nehmen wir nur Großbritannien und die USA.

Andererseits nimmt die Buchpreisbindung mir als Autorin Gestaltungsmöglichkeiten.
Hier, in leicht abgeänderter Form, ein Text, den ich am 2.2.2014 schrieb, um meiner Frustration Ausdruck zu verleihen:

Scheiß-Buchpreisbindung. Heute Morgen hatte ich eine, wie ich fand, super Idee: Um Menschen zu motivieren, die wegen der vielen Seiten recht teure Printausgabe meines Thrillers zu kaufen, wollte ich eine „Match“-Aktion machen, angelehnt an Amazon-MatchBook, das es für Deutschland ja nicht gibt. Das heißt, ich überlegte, den (ersten 100?) Käufern anzubieten, dass ich ihnen die Kindle-Ausgabe kostenlos schicke, plus, ebenfalls als E-Book, das Sachbüchlein „Tödliche Imitate“, in dem es um das Thema des Thrillers geht, nämlich die Fälschung von Medikamenten. 

Ein richtig schönes Paket, das meinen Lesern einen Mehrwert böte und mir nicht wehtäte. Allerdings: In Deutschland weiß man ja nie. Kollidiert das vielleicht mit der Buchpreisbindung? Aber ich würde die E-Books ja nicht zu unterschiedlichen Preisen anbieten, sondern verschenken. Das sollte doch gehen, oder? 

Natürlich geht das nicht. Wo kämen wir denn da hin? Ein kundiger Kollege nannte mir in der Self-Publishing-Facebookgruppe diesen Link: http://www.it-recht-kanzlei.de/buchpreisbindungsgesetz-werbung-marketing.html. Was ich vorhatte, war wohl so etwas wie ein zu teurer Gimmick. Aus der Traum. 

Okay. Die Buchpreisbindung schützt noch mal wen vor was? Die Leser vor mehr Buch fürs Geld? Nein, Moment, ich komm gleich drauf. Autoren wie mich vor dem Ausprobieren erfolgversprechender Ideen? Schon wärmer, aber auch noch nicht ganz. Die Buchbranche vor Experimenten und Innovationen. Genau. Das ist's. (S. a. dieser Artikel von Marcel Weiß: http://www.neunetz.com/2014/01/14/die-buchpreisbindung-hilft-amazon.) Klar, muss sein. Ist in unser aller Interesse. Keine Frage. 

Damit endet mein Rant, jedoch nicht meine Überlegungen zum Thema. In anderen Ländern könnte ich für Bücher in Shops, für die ich über Distributoren gehen muss, etwa die der Tolino-Allianz*, mehr Geld verlangen, so dass ich unterm Strich immer dasselbe verdienen würde. Oder für iBooks bei Apple, wo der Aufwand für mich als Indie größer ist. Ob das funktionieren würde? Keine Ahnung. Zumindest könnte ich es ausprobieren, ohne Angst vor Abmahnanwälten haben zu müssen.

Was die Buchpreisbindung auch verhindert, sind Angebote nach dem Motto „Zahlt, was ihr wollt“. Ein Vorreiter war die Band Radiohead mit ihrem Album In Rainbows. Aber auch Indie-Autoren, zum Beispiel in den USA, experimentieren damit. Hier in Deutschland können wir dabei nur traurig zuschauen. Wieder eine Möglichkeit verschenkt, wie wir unsere Fans ansprechen und neue gewinnen könnten. Dabei sagt die Musikerin Amanda Palmer zu Recht: „I think people have been obsessed with the wrong question, which is, ‚How do we make people pay for music?‘ What if we started asking, ‚How do we let people pay for music?‘“ Tja, für deutsche Autoren ist das alles nicht so einfach.

Würde es immer so gut laufen, wie bei diesen Beispielen? Wer weiß. WIR DÜRFEN ES JA NICHT AUSPROBIEREN.

Ende 2014 habe ich übrigens an Lesungen in der Schweiz teilgenommen. Dort gibt es die Buchpreisbindung nicht. Ich konnte also ganz entspannt eine runde (und niedrigere) Summe für meine selbstverlegten gedruckten Bücher verlangen, die ich mitgebracht hatte. Die Preise lagen damit unter den krummen Beträgen, die Amazon für die Käufer aus dem Alpenland auf der Basis meiner deutschen Preise errechnet hatte. Keinen hat‘s gekümmert und ich konnte so kundenfreundlich sein, wie ich es gerne öfter wäre.

*Das ändert sich offenbar bald.

Wer neugierig ist, worüber ich sonst noch so in meinem Buch Erfahrungen einer Indie-Autorin schreibe, sollte sich einfach die Leseprobe (mit dem Inhaltsverzeichnis) herunterladen. Oder das Buch gleich für wenig Geld kaufen ;-)


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